... Das Fehlen eines islamischen Kernstaates ist ein ausschlaggebender Faktor in den durchgängigen innernen und äusseren Konflikten, die den Islam kennzeichnen... Ein islamischer Kernstaat muss die wirtschaftlichen Ressourcen, die militärische Macht, das organisatorische Potential, islamische Identität und religiöses Engagement besitzen, um der Ummah politische und religiöse Führung bieten zu können. Sechs Staaten sind immer wieder ... im Gespräch: ... Indonesien ... Ägypten ... Iran ... Pakistan ... Saudi Arabien ... Türkei ... An einem bestimmten Punkt könnte die Türkei es leid sein, die frustrierende und demütigende Rolle des Bittstellers zu spielen, der um Aufnahme in den Westen bettelt, und sich auf ihre viel eindrucksvollere und herausragende historische Rolle als wichtigster islamischer Gesprächspartner und Antagonist des Westen besinnen. ... Von allen anderen muslimischen Ländern unterscheidet sich die Türkei durch ihre tiefgreifenden historischen Beziehungen zu Muslimen auf dem Balkan, im Nahen Osten, in Nordafrika und Zentralasien. ...so könnte [die Türkei] sich damit vom Pariasstaat ihres Kulturkreises zum führenden Staat dieses Kulturkreises mausern ... die Türkei mag ebenso qualifiziert sein, den Islam zu führen... Auch bedürfte es eines Führers vom Kaliber Atatürks, eines Führers, der religiöse und politische Legitimität in sich vereinigte, um aus dem zerrissenen Land Türkei einen Kernstaat des Islam zu machen. aus "The Clash of Civilizations" von Samuel P. Huntington.
Artikel aus der Zeit: Drei Tage tourt Recep Tayyip Erdoğan nun durch den arabischen
Frühling. ...
... Gern vergessen machen möchte Erdoğan heute, dass er zu
Beginn des arabischen Frühlings wenig Ermutigendes an die Adresse der
Revolutionäre zu sagen hatte. Zu Tunesien und Ägypten hielt er sich
bedeckt, in Libyen blieb Ankara anfangs sogar nahezu ungeniert an der
Seite Gadhafis, um die lukrativen türkischen Projekte nicht zu
gefährden. Erst nach Monaten Bürgerkrieg in Libyen und erst nach Beginn
der Unruhen beim direkten Nachbarn Syrien fand Erdoğan dann zu klarer
Kritik an den Regimen von Muammar al-Gadhafi und Bashar al-Assad...
... in der arabischen Welt trägt ihm vor allem seine harte
Haltung gegenüber Israel Bewunderung und Zustimmung ein...
... Gleichzeitig aber möchte Erdoğan die Türkei als politische Schutzmacht etablieren für eine Staatsgründung der Palästinenser,
die nächste Woche beim UN-Sicherheitsrat die Aufnahme als 194. Mitglied
der Vereinten Nationen beantragen wollen....
Erdoğans Besuch ist der erste eines
türkischen Regierungschefs am Nil seit 15 Jahren. Und mag im Augenblick
auch die gemeinsame Konfrontation mit Israel die Rivalitäten zwischen
den beiden regionalen Schwergewichten überdecken, die traditionellen
Spannungen könnten schon bald wieder aufbrechen.
...neben Israel ist auch Ägypten nach wie vor an der Abriegelung des Gaza-Streifens aktiv beteiligt...
und noch ein Artikel aus dem Spiegel
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