Zaire, das Land meiner unbeschwerten aber nicht ungefährlichen Kindheit (also reichlich 2 Jahre). Damals sagte ich, dass ich 1/3 Deutsche, 1/3 Ungarin und 1/3 Zairesin bin. Noch heute fühle ich mich diesem Land innerlich verbunden. Wenn ich Afrikaner kennenlerne, und es sich herausstellt, dass sie Kongolesen sind (was max. 1 mal im Jahr passiert), dann springt mein Herz. Und ich vermisse das Land.
Heute heisst es wieder Kongo, bzw. Demokratische Republik Kongo. Und die Tragödie scheint kein Ende zu nehmen.
Im 14. Jahrhundert wird das Königreich Kongo gegründet.
Die Portugiesen entdecken das Land. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts haben sie es völlig zerstört.
Henry Morton Stanley ist der erste Europäer, der den Kongo umfassend bereist. Er schlägt vor, den Kongo dem englischen Kolonialreich anzugliedern, was die englischen Regierung aber ablehnt.
Bei der Berliner Kongokonferenz 1885 wird der Kongo zum Privatbesitz des belgischen Königs Leopold II. 1908 wird er durch die "internationale Gemeinschaft" dazu gezwungen, diesen als "normale Kolonie" an den belgischen Staat zu übergeben.
Nach ersten Unruhen in Kinshasa und unter dem Druck der Weltöffentlichkeit zieht sich Belgien Anfang 1959 schlagartig aus dem Kongo zurück und hinterlässt ein Chaos.
30. Juni 1960: die „Demokratische Republik Kongo“ wird ausgerufen,
Joseph Kasavubu, Führer der Alliance Congolaise, wird Staatspräsident,
Patrice Lumumba wird der erste Ministerpräsident des jungen Landes. Immer wieder kommt es zu Unruhen, die von den USA, der Sowjetunion und Belgien beeinflußt werden.
Nach 18 Monaten Unabhängigkeit putscht der frühere Assistent Lumumbas,
Joseph-Désiré Mobutu, unterstützt von den USA und Belgien gegen ihn und errichtete in den folgenden Jahrzehnten eine der längsten und grausamsten Diktaturen Afrikas.
1971 wird das Land in Zaire umbenannt.
1994 kommt es zum Genocid in Ruanda. Viele fliehen in den Osten des Zaire.
Laurent-Désiré Kabila nutzt die Lage um sich gegen die Regierung in Kinshasa zu erheben.
1997 stürzt Kabila Mobutu, das Land wird in D.R. Kongo umbenannt.
1996 bis 2002 findet der sog. "Kongokrieg" statt, der ab 1998 als „afrikanischer Weltkrieg“ bezeichnet wird.
Januar 2001 kommt Kabila durch ein Attentat ums Leben, und sein Sohn
Joseph Kabila wird Staatspräsident der DR Kongo.
Das Land ist völlig zerüttet, die Infrastruktur, die Wirtschaft und die Verwaltung sind nicht vorhanden. Im Osten werden die Rohstoffe ausgeplündert, durch ugandische, ruandische und burundische Kräfte, unterstützt durch verschiedene multinationale Firmen.
Und unsere Gier nach immer neuerer Unterhaltungselektronik.
Koltan ist der Hauptrohstoff, der unter anderem für unsere
Taschentelefone und Klapp-Rechner gebraucht wird. Die Folge: fast vier Millionen Menschen wurden auf bestialische Weise umgebracht.
2003 kommt es zu einem Friedensabkommen mit den Rebellen.
2004 wird
Laurent Nkunda, ein ehemaliger Mitstreiter Laurent-Désiré Kabilas, zum General in der kongolesischen Armee berufen, wendet sich aber in dem gleichen Jahr gegen die Regierung.
2006 finden die ersten Wahlen im Kongo statt.
2008 eskalieren die Kämpfe im Osten des Kongos.
Immer wieder kommt es im Osten des Landes zu kriegerischen Auseinandersetzungen, bei dem die Bevölkerung physisch und seelisch vergewaltigt und traumatisiert wird.
Was können wir von hier aus in Europa tun, fragt sich vielleicht manch einer. Die Wirtschaft wird durch die zwei Parameter Angebot und Nachfrage bestimmt. Wenn die Nachfrage runter, geht, so auch das Angebot. Je weniger wir neueste Unterhaltungstechnik kaufen, desto weniger Koltan wird im Kongo abgebaut, und desto weniger Waffen bekommen die Kriegsparteien dort, was zu weniger Gemetzel führt. Das klingt naiv, aber so wäre die logische Zusammenfassung. Es ist mir klar, dass da viel mehr dahinter steckt, aber wir können nicht immer erwarten, dass die anderen fetwas tun, oder unsere Politiker, denn sie müssen sich auch Kräften und Interessen beugen. Und kurzfristig können wir Organisationen (z.B.
MsF,
Medair,
Oxfam) unterstützen, die sich noch trauen, in dieser gefährlichen Lage zu arbeiten, zu helfen.
Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit und völlige Richtigkeit. In der nächsten Woche möchte ich Euch gerne noch mehr Artikel zum Lesen geben, die so manches, was ich geschrieben habe, untermauern.