Montag, 23. Januar 2017

langes Wochenende in den Emiraten - Teil 1

Da mein omanisches Visum in den letzten Tagen ablief, musste ich es verlängern. Der einfachste Weg das zu tun, ist in die Emirate zu fahren und wieder zurück. Also bin ich gleich für ein verlängertes Wochenende "rüber". Am Mittwoch Nachmittag fuhr ich mit dem Bus aus Muscat, wo ich am Morgen noch einen administrativen Weg zu erledigen hatte, los. Hinter mir saß eine afrikanisch-stämmige omanische Frau. Sie sprach mich an, noch bevor der Bus losfuhr. Die Gelegenheit nutzte ich gleich, um mein Arabisch zu üben :-) Sie erzählte mir, dass sie aus Salalah kommt, und dass ihr Mann, der aus dem Osten des Landes kommt, weiß sei. Sie haben drei Kinder. Als der Ehemann in den Bus kam, war ich über ihre Definition von weiß etwas überrascht. Er war kaum heller als sie. Sie erzählte mir, dass es im Oman immer noch einen Unterschied je nach Hautfarbe gäbe. Je dunkler die Menschen, desto ärmer seien sie tendentiell. Für sie schien die Heirat eine gesellschaftliche Besserstellung zu bringen. Sie trug ihr Kopftuch engumwunden um das Gesicht und ein Abaya, während ihr Mann ein Muskelshirt und eine Jogginghose trug, was recht ungewöhnlich für Omanis ist. Die beiden gingen sehr liebevoll miteinander um. Manchmal neckten sie sich auch. Nachdem der Bus losgefahren war, bot mir die Familie gleich einen Hamburger und Pommes an. Aus Höflichkeit nahm ich an. Später bekam ich noch einen Apfel. Das ist mir in Deutschland noch nicht passiert. Wir unterhielten uns weiter. Sie erzählte mir, dass sie gerne nach Deutschland kommen würde. Dort gäbe es keine Probleme. Ich belehrte sie eines besseren. 
Kurz vor Sonnenuntergang machten wir einen Stop. Der Busfahrer ging beten, so auch einige Passagiere. Einige gingen in die Restaurants in der Nähe. 
Etwa eine Stunde später waren wir an der Grenze angekommen. Auf der omanischen Seite gab es in der Grenzhalle an zwei Schaltern lange Schlangen für die Ausreisestempel. An den Schaltern für Einreisestempel stand keiner. Eine mutige Slowenin ging hin und bat um einen Ausreisestempel. Der wurde ihr gewährt. Die anderen konnten leider davon nicht mehr profitieren. Ich ging aus der Grenzhalle raus, zum Beamten, der die Pässe der Autoreisenden stempelt. Ich sprach ihn auf Arabisch an, erzählte ihm, was ich im Oman mache, und schon hatte ich meinen Ausreisestempel. So einfach geht es manchmal :-) Auf der emiratischen Seite ging der Prozess der Einreise ohne Probleme für mich. Ein Libanese allerdings wurde wieder zurück in das ca. 300km entfernte Muscat geschickt, um einen Flug in die Emirate zu nehmen, um ein Visum zu bekommen. War ich froh, einen deutschen Pass zu haben.
Gegen Mitternacht, nach 9 Stunden Fahrt für ca. 500km, kamen wir in Dubai an. Ich verabschiedete mich von der omanischen Familie, nahm mir ein Taxi, und fuhr in meine Unterkunft.
Am nächsten Morgen stand ich früh auf, mit dem Ziel in das ca. 150km entfernte Abu Dhabi mit dem Bus zu fahren. Ich nahm zunächst die Metro, die es seit ca. 5 Jahren in Dubai gibt. Für Frauen gibt es ein Extra-Abteil, das meist relativ leer ist im Gegensatz zum restlichen Zug. Sollte ein Mann erwischt werden, dass er sich dort aufhält, muss er 25 Euro Bußgeld zahlen. Auch sonst gibt es strikte Regeln: z.B. sind essen und Kaugummi kauen verboten; Füße auf einen Sitz stellen kostet 50 Euro Bußgeld. In der Metro wird mit wieder bewusst, wie bunt die Bevölkerung von Dubai ist: da sitzt die philippinische Krankenschwester neben der indischen Büroangestellten, der sudanesische Schuljunge steht neben dem bangladeschi Verkäufer. Nur Emiratis oder Westler (also Nordamerikaner, Europäer, Australier) sieht man so gut wie gar nicht.
Später fahre ich mit dem Bus nach Abu Dhabi, wo ich noch einmal umsteige. Ich bin überrascht und begeistert, dass es seit ca. fünf Jahren Busse in Abu Dhabi gibt (ist mir letztes Jahr, als ich dort war nicht aufgefallen). Der Verkehr wirkt dadurch etwas entspannter. Die Taxis, die früher den gesamten öffentlichen Verkehr gestämmt haben, sind deutlich weniger geworden.
(Das ist mein erster Versuch eines Videos, um ein wenig einen Eindruck von Abu Dhabi zu bekommen. Das ist die Fahrt entlang der Strandpromenade, die in dem Video allerdings nicht zu sehen ist.)
Im Straßenverkehr sehe ich auch ein Auto aus Deutschland. Wie witzig. Ich denke mal, es ist ein Importwagen, noch mit deutschem Kennzeichen. Sonst sieht man auch immer wieder Autos aus Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain, Qatar und dem Oman.
Auf dem Weg zu einer Freundin sah ich mehrere alte und schäbige Busse auf einer Seitenstraße neben uns herfahren, mit Gastarbeitern aus Pakistan, Indien und Bangladesch. Sie fuhren anscheinend in ihre Unterkunft, denn am Ende der Straße waren Wohnbaracken zu sehen. 
Hier schlafen 8 Männer in kleinen Zimmern, in Doppelstockbetten, ohne Privatsphäre, mit einer kleinen abschliesbaren Box für die Wertsachen. Draussen hänten auf Wäscheleinen die Kleidung zum Trocknen. Ein Bild davon zu machen würde Aufsehen erregen. In der Ferne sieht man die Kulisse von Abu Dhabi. Mir wird ganz komisch. Diese Glitzerwelt ist nur möglich, weil billige und ungebildete Arbeitskräfte aus dem Subkontinent hier schwer arbeiten. Arbeitsschutz wie bei uns gibt es nicht, obwohl es Initiativen gibt, die Lage der Arbeiter zu verbessern.
Ich besuche noch eine weitere Freundin. Später gehe ich noch in eine alte "Einkaufsmeile" Windowshoppen. Hier sehe ich armenische Keramik aus dem Heiligen Land :-) Welch Überraschung :-) 
Gegen Mitternacht bin ich wieder in Dubai.




Sonntag, 15. Januar 2017

nächster Blog erst in einer Woche wieder

da es mich nun auch erwischt hat, ich denke mal aufgrund der Klimaanlage, konnte ich gestern nicht am Ausflug teilnehmen. so gibt es erst nächste Woche wieder einen Post.

Samstag, 7. Januar 2017

Kamel-SCHÖNHEITS-Wettbewerb?

Als ich das das erste Mal hörte, dachte ich mir: das ist doch verrückt. Wie können Kamele schön sein?
Sultan, unser "Schulleiter" ist mit uns in der Woche nach der Schule in die Wüste gefahren, um ein Kamel-Schönheits-Wettbewerb mitten in der Wüste zu besuchen. Als wir dort ankamen, dachte ich zuerst, wir seien falsch abgebogen. Das Terrain glich eher einer riesigen Toyota-Auto-Show. Auf dem Parkplatz waren zu 95% Toyota Landcruisers geparkt. Die Autokennzeichen gaben die Herkunft der Besucher preis. Etwa ein Drittel kam aus den Emiraten. Trotz der Grenze zwischen dem Oman und den Emiraten gibt es Familienbanden und Beziehungen über die Grenze hinweg.
Als wir das eigentliche Besucher- und Wettbewerbs-Gelände betraten, kam ich mir ziemlich fremd vor. Bis auf die Frauen in unserer Gruppe (derzeit war eine US-Amerikanische Studentengruppe zu besuch gewesen), habe ich nur vereinzelt arabische Frauen gesehen.
Wir wurden von einem freundlichen Omani auf das Feld geführt, wo die einzelnen offenen Gehege der Kamele waren. Dort wurden die Kamele nach einem bestimmten System (das ich nicht so ganz verstanden habe) beurteilt und dann zum Schluss als Sieger frenetisch gefeiert. Das Siegerkamel bekommt einen "Umhang" und wird mit Safranwasser bespränkelt, damit es noch besser aussieht. Diese Kamele können einen Gewinnerpreis von bis zu 3 Millionen Euro erreichen.
Wir konnten uns die Kamele aus der Nähe ansehen. Sie haben eine gewisse Anmut, wirken aber auch manchmal etwas plump. Neben ihrer Coolness zeichnet sie auch ihre ab und an störrisches Gemüt aus. Ich finde sie manchmal recht schön anzuschauen, muss aber auch immer wieder schmunzeln, da sie so lustig aussehen.
Als Schönheitsmerkmal gelten unter anderem lange Wimpern und eine herabhängende (coole) Unterlippe, sowie eine anmutige Kopfform. Leider ist trotz des Felltrimmens die Körperform etwas unproportional (aber diese Form ist für das Überleben in der trockenen Wüste wichtig), und doch traben sie anmutig über das Gelände, bzw. in der Wüste.
Einen kleinen "Souq" gab es auch, auf dem man Schmuck für die Kamele aber auch selbstgemachte Souvenirs und Essen kaufen konnte.
Nach dem Wettbewerb brachte uns der Omani in ein offenes Beduinenzelt, wo schon einige Omanis saßen. Wir wurden freundlich empfangen. Zunächst wurde der Weihrauchbrenner herumgereicht. Den Rauch fächert man sich zu oder hält ein Tuch drüber. Es soll einen wohlriechen lassen. Allerdings scheine ich immer irgendwas falsch zu machen, denn ich rieche danach immer nach Lagerfeuer.
Wir wurden mit Kaffee und Datteln, sowie der typischen omanischen Dattelpaste versorgt. Irgendwann fingen die Männer sogar zu tanzen an, sehr typisch mit dem Stock. Im Hintergrund brannte ein kleines Lagerfeuer. Und die Sonne ging gerade unter. Romantisch :-)
Ich hoffe, ich konnte in den Bildern die Atmosphäre ein wenig einfangen.


Das ganze Geschehen mit arabischem Kommentar und arabischer Hintergrundsmusik könnt Ihr hier sehen:

Sonntag, 1. Januar 2017

Salalah, die Hauptstadt des Weihrauchs und die orientalische Karibik

Fast mein halbes Leben habe ich mich danach gesehnt, Salalah zu besuchen. Was die Sehnsucht nährte, weiss ich gar nicht mehr. Allerdings schienen mir die große Entfernung von über 1000km von Muscat und die Nähe zum Jemen zwei Hürden zu sein, die nicht so leicht zu überwinden waren. Im Nachhinein denke ich mir, dass ich mich ein wenig angestellt habe. Und ich weiss, es war nicht das letzte Mal, dass ich die orientalische Karibik besucht habe.
Salalah ist eine uralte Stadt im Süden des Omans, ca. 120km vom Jemen entfernt. Bereits im ersten Jahrtausend v. Chr. begann der Weihrauchhandel, zunächst mit Ägypten, später Rom, Babylon, Persien und Griechenland. Der Handel war durch die Domestizierung des Kamels möglich geworden. Allerdings ist auch bekannt, dass schon im fünften Jahrtausend v. Chr. Weihrauch nach Ägypten und Mesopotamien transportiert wurde. Es ist noch ein Rätsel, wie. Die antike Weihrauchstraße reichte vom Oman über den Jemen, parallel zur Küste des Roten Meeres durch Saudi-Arabien vorbei an Mekka und Medina ins jordanische Petra, und dann weiter ins heilige Land und nach Alexandria. Weihrauch wird nicht nur als wohlriechender Rauch verbrannt, sondern wird auch zu Heilzwecken gebraucht. Weihrauch beinhaltet Stoffe die gut gegen Krebs, Magenverstimmung, untersucht wird noch die heilsame Wirkung bei entzündlichen Darmerkrankungen und Arthritis.
Heute ist Salalah immer noch das Zentrum des Weihrauchhandels, wenn auch die Stadt nur ca. 100.000 Einwohner hat, und manchmal noch etwas lieb verschlafen wirkt. Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass in den Sommermonaten hier die Hochsaison ist, während des Monsuns. Zwischen Juli und September kommt es in Salalah zu ungewöhnlichen Regenfällen, die die Gegend ergrünen und einen im Glauben lassen, man sei fast im Urwald. Für viele Bürger der Golf-Anreiner-Staaten ist dies die Zeit, in der sie nach Salalah fliegen, zum Urlaub, da das Wetter dort viel angenehmer ist, als in ihrer Heimat. Dieses aussergewöhnliche Klima ermöglicht auch die vielen Bananen-, Kokos-Palmen-, Papaya- und Dattel-Palmen-Plantagen. Diese werden an manchen Stellen von Palmenhütten gesäumt, in denen man über das ganze Jahr Obst kaufen kann, und Kokus-Milch trinken kann. Der weiße Sand am Meer und die Palmen dort sowie die strahlende Sonne am blauen Himmel lassen einen in der Karibik wähnen.
Ich selbst habe drei volle Tage dieses Gefühl genossen. Immer wieder musste ich mich daran erinnern, dass ja Jahreswechsel ist. So kam es mir gar nicht vor. Aber ich habe nicht nur am Strand gelegen :-) (eher die wenigste Zeit), sondern habe die Gegend um Salalah und die Stadt selbst etwas erkundet. Den ersten Tag bin ich mit einer italienischen Reisegruppe in den Osten Salalahs gefahren, an eine Klippe, von der man aus Delphine sehen konnte, in eine antike Stadt, die früher das Zentrum des Weihrauchhandels war, sowie in eine Ebene, durch die ein Fluß fließt, die derzeit Savanen-ähnlich wirkt, in der aber Kamele, Kühe, Esel und Ziegen ihr Zuhause haben. Im Sommer soll es hier fast tropisch erscheinen, und der Fluß fällt über eine Hang als Wasserfall tief hinab.

Den zweiten Tag habe ich Salalah zu Fuß erkundet.

Und am dritten Tag bin ich mit einem "Schulkameraden" von der Sprachschule und seinem Bruder in den Westen, Richtung Jemen gefahren. Die Fahrt durch die Berge war imposant. Die Straße wurde durch die Deutschen vor ca. 30 Jahren über vier Jahre gebaut. Deutsche Qualitätsarbeit. Belohnt wurden wir am Ende der Fahrt wieder mit wunderbarem Strand, ohne Touristen weit und breit zu sehen.

Auf dem Rückflug (ca. 1 1/2 Stunden von Muscat) hatte ich nochmal einen Blick auf das "Leere Viertel" und später auf das Hajar-Gebirge. Von Muscat bin ich dann vier Stunden mit dem Bus nach Ibri gefahren. Ich fühlte mich reich beschenkt am Altjahresabend, der hier völlig ruhig und ohne Spektakel ausklang, wie jeder andere Abend auch.