Montag, 23. April 2007

im Gedenken an die gefallenen Soldaten

Gestern Abend 20 Uhr gingen die Sirenen. Im ersten Moment erschrack ich und dachte an den Bunker im Haus. Aber Gabriele beruhigte mich. Die Sirenen heulten im Gedenken an die gefallenen Soldaten von Israel, die in den Kämpfen und Kriegen umgekommen sind, damit Israel weiterhin exisitieren kann.
Der Weg zur Arbeit dauerte heute etwas länger als sonst. Mein Krankenhaus liegt genauso am Herzl-Berg wie der Soldatenfriedhof. Viele wollten heute dorthin. Zwei der Krankenschwestern nahmen mich zu den zentralen Feierlichkeiten am Herzl-Berg mit. 11 Uhr gingen nocheinmal die Sirenen für 2 Minuten. Das ganze Land stand still, sogar auf den Autobahnen hielten die Autos und die Fahrer stiegen aus. Dann wurden Gebete gesprochen, Ehud Olmert hielt noch eine Rede und ein General. Zum Schluss wurde die Hatikva (die Nationalhymne) gesungen. Die Melodie konnte ich mitsummen. Mir wurde bewusst, dass es ein riesiges Wunder ist, das Israel existiert. Die hebräische Sprache war "tot", genauso wie die lateinische Sprache, die so viele von uns in der Schule lernen. Und nun sprechen fast alle Israelis die Sprache wieder. Die Menschen sammeln sich aus den verschiedensten Ecken der Welt. Ich bin überzeugt, Gott sammelt Sein Volk, und Er hat trotz aller Schicksale seine Hand über Seinem Volk.

Samstag, 21. April 2007

erste Eindrücke in Jerusalem

meine Gedanken vom 16.04.07
Heute früh um 10 Uhr stand unsere Station still. So auch fast ganz Israel. Für eine Minute wurde der Opfer im 3. Reich gedacht. Es kam mir gar nicht seltsam vor. Im Stillen betete ich, dass Israel seinen Gott erkennen möge, und den Messias. Bisher habe ich noch keine negativen Gefühle gegenüber mir als Deutsche (zumindest halbe) empfunden.
Im jüdischen Glauben beginnt der Tag am Vorabend. Darum gab es gestern Abend schon viele Veranstaltungen. Unteranderem wurde in einer nahe gelegenen Synagoge ein israelischer Dokumentar-Film über einen ehemaligen polnischen Soldaten, der in Dachau in Gefangenschaft war, gezeigt. Jeden Tag ging er zu der Gedenkstätte und unterhielt sich mit den Besuchern. Nach dem Film konnten wir dem Regisseur Fragen stellen. Ein Deutscher stand auf und berichtete über seine Erfahrungen als Deutscher. Er wurde Anfang der 60er geboren. Ihm fiel es immer schwer zu sagen, dass er aus Deutschland kommt, da er es als unangenehm empfand und wohl auch schlechte Erfahrungen gemacht hat. Danach habe ich mich zu Wort gemeldet: ich bin etwa eine Generation jünger, und ich empfinde es nicht als Schande, aus Deutschland zu kommen. In Deutschland suhlt man sich anscheinend gerne in Selbstmitleid, dass uns doch alle anderen nicht mögen würden. Ich habe noch keine Anfeindungen erfahren, weil ich aus Deutschland komme. Unsere Generation ist nicht verantwortlich für das, was im 3. Reich passiert ist. Wir sind dafür verantwortlich, dass das nicht in Vergessenheit gerät, und wir sind für unsere Gegenwart und Zukunft verantwortlich. Ich habe auch die wenigen Begegnungen, die ich hier mit Juden hatte, geschildert. Danach kam eine Jüdin um die 55 auf mich zu und sagte, dass sie meinen Beitrag sehr wichtig fand. Meine "Vermieterin" Gabriele, die hier als Deutsche schon seit 16 Jahren lebt, sagt auch, dass die Juden uns der jungen Generation nicht die Schuld anrechnen. Und den Eindruck habe ich auch.
Jerusalem, bestimmt wie auch ganz Israel, ist ein Schmelztiegel von Nationen und Religionen. Am meisten sind mir die orthodoxen Juden aufgefallen. Aber das Stadtbild wird auch von gemässigten Juden, von Moslems und Touristen geprägt. Allerdings ist auch zu spüren, dass die Israelis immer auf Angriffe jeglicher Art vorbereitet sind. An der zentralen Bushaltestelle stehen Metalldetektoren und Sicherheitspersonal durchsucht die Gepäcke. Im Krankenhaus muss ich auch durch solch eine Sicherheitsprüfung. An den Bushaltestellen stehen auch Sicherheitsmenschen, die mal in die Busse einsteigen, manchmal auch mit Metalldetektoren. Trotz allem fühle ich mich irgendwie sicher. Mein erster Eindruck von Jerusalem war, dass es hier friedlich ist. Allerdings hat mir eine im Krankenhaus schon gesagt, dass das vor 12 Jahren nicht so war.
Letztes Wochenende war ich mit Gabriele und Besuch am Toten Meer, 412m unter dem Meeresspiegel. Echt krass. Wir haben uns mit Schlam eingeschmiert und sind anschliessend zum Toten Meer gegangen. Das Salzwasser war richtig ölig. Aber es ist ein Genuss. Und Angst vor anbeissenden Fischen braucht man nicht zu haben.
Das Krankenhaus, indem ich arbeite, ist ein sehr religiöses. (Ich werde für 8 Wochen auf der Intensivstation sein.) Trotz allem kommen auch Moslems und sekulare Juden zur Behandlung. Bei uns auf Station (6 Betten) liegen in benachbarten Nieschen unteranderem ein religiöser Jude und ein moslemischer palestinensischer Israeli. Ich habe heute etwas verdutzt geguckt, als ich sah, dass beim Moslem zwei Mädchen zu Besuch kamen mit ihrem Koran in der Hand. Sie lasen aus ihm. Bei dem Juden stand ein junger Verwandter, der die Thora vor sich hatte, und aus ihr rezitierte, und dabei den ganzen Körper bewegte.
Der Chefarzt auf der Instensivstation ist ein ungarischer Jude, der mit einer deutschen Jüdin verheiratet ist. Zwei der Ärzte sind russische Juden, eine Ärztin scheint aus den USA zu kommen, der Assistenzarzt ist aus Israel, bei den Schwestern gibt es eine aus England, unter den Freiwilligen (meistens religiöse, die den Militärdienst verweigern können) ist eine halb Marrokanerin, dann gibt es noch eine 20 jährige, die auf ihren Studienplatz wartet, deren Eltern aus der Ukraine kommen. Sie scheint politisch engagiert zu sein. Heute war sie auf einer Demonstration für Holocaustüberlebende. 60 % von ihnen leben unter der Armutsgrenze. Sie haben aber rechtlich Anspruch auf finanzielle Unterstützung vom Staat. Dafür wurde heute demonstriert.

Sonntag, 1. April 2007

NEPAL

Der Flug über den Iran, Pakistan und Indien hat mich wieder ins Staunen gebracht. Die Erde hat einen wunderbaren Architekten. Im Iran sah ich die runden Bergrücken, später wurden sie spitzer und waren länglich und lagen in Parallelen zueinander. In Pakistan wurde es schon etwas grüner. Die indische Landwirtschaft sah von oben aus wie ein bunter Teppich.

Katmandu, meine Arbeit und das Leid

In Katmandu holte mich mein Vater ab. Es war schon Abend. Der Fahrer musste immer wieder Passanten ausweichen, die über die Straße liefen. Nachdem wir mein Gepäck im Gästehaus abgaben, sind mein Vater und ich ins Zentrum des Touristenviertels Thamel gelaufen. Hier können Touristen (fast) alles kaufen, was das Herz begehrt. Musikläden, Kleidungsgeschäfte, kleine Supermärkte, (deutsche) Bäckereien, Wandertouren-Anbieter, Outdoor-Kleidungs-Geschäfte, Wäschereien, Internet-Cafés, Restaurants und Clubs drängen sich aneinander.






Katmandu liegt in einem Tal am Fuße des Himalaja. Etwa 700.000 Menschen verschiedenster Völker mit indo-arischen und tibetisch-burmesischen Wurzeln leben hier dicht gedrängt. Ihre Freundlichkeit, Gelassenheit und Lebensfreude stecken an. Die Stadt ist tagsüber ein einziges Gewusel: Menschen überall, Schulkinder in Uniform,

Geschäfte wo das Auge hinsieht, hupende Autos, dröhnende Motorräder, Busse, Tuk-Tuks.





Gleich am nächsten Tag ging ich ins Krankenhaus, wo ich zwei Würzburger Studenten kennen lernte, Annie und Roland. Unsere Wochenenden (in Nepal wird sechs Tage gearbeitet, und Samstag ist das „Wochenende“) haben wir häufig gemeinsam verbracht. Auch die anfängliche Achterbahn der Gefühle des Einlebens in Nepal haben wir zusammen durchgemacht. Zumindest wir zwei Mädels. Am dritten Tag wäre ich am liebsten nach Deutschland zurückgeflogen. Die Menschen waren mir so fremd, ich habe keine Beziehung zu ihnen aufbauen können, das Leben war so anders.

Die Arbeit auf der Orthopädie machte mir viel Freude. Als ich ankam, war ich völlig überrascht über den recht hohen technischen Standard, über den sie im Krankenhaus verfügen. Arthroskopien (Hineinschauen in ein Gelenk durch ein „Schlüsselloch“), Wirbelsäulenchirurgie und Kreuzbandplastik (Rekonstruktion der gerissenen Kreuzbänder mit Knochen-Band-Knochen-Stück) werden genauso selbstverständlich durchgeführt wie gebrochene Arme gipsen, gutartige Geschwülste entfernen oder leider auch Finger oder Zehen amputieren. Allerdings lässt die Sterilität zu wünschen übrig. Gerade hier, wo alles so verdreckt ist. Immer mal rannte eine Kakerlake über den Fußboden oder der Ventilator wirbelte den Staub auf. Andererseits haben die Menschen hier eine viel bessere Immunität als wir in Europa, wo wir von so vielen Erregern abgeschirmt sind.

Anfangs hatte ich etwas Verständnisprobleme, da das nepalesische Englisch anders ist als meines. Außerdem kannte ich manche englischen Fachbegriffe noch nicht. In der Ambulanz gibt es drei Tische, an denen jeweils zwei oder drei Ärzte sitzen, und mindestens 10 Patienten drum herum stehen. Da ist nichts mit Privatsphäre. Vor jeder Behandlung muss der Patient die Materialien wie Spritze, Verband oder Medikamente in der nahegelegenen Apotheke kaufen. Genauso vor jeder OP. Manche Patienten können sich eine OP nicht sofort leisten. Sie werden operiert, sobald sie das Geld haben, es sei denn, es ist ein Notfall. Die Nachtschichten fand ich am interessantesten. Da kommen Patienten mit Schussverletzungen, kleine Kinder mit gebrochenen Armen, Jugendliche mit Schnittverletzungen am ganzen Körper (nach einem Bandenkampf), Unfallopfer (von leicht bis schwer verletzt), oder einfach nur mit einem verstauchten Fuß.

Uns deutschen PJ-lern (insgesamt waren wir 10-12, zwei von uns auf der Orthopädie, PJ-ler – Medizinstudenten im praktischen Jahr) fiel immer wieder die Geduld auf, die die Patienten (engl. patient = geduldig) an den Tag legten. Einige sind zehn Stunden gefahren oder gar gelaufen, um behandelt zu werden. Aufgrund von Mangel erhalten die Patienten fast keine Schmerzmedikamente. Aus Kostengründen werden große (Näh)Nadeln verwendet. Das macht erstens das Zunähen schwieriger und zweitens die Narbe hässlicher. 8-Bettzimmer mit Durchblick in die anderen Zimmer sind normal.

Für besonders privilegierte gibt es 4- oder 2- Bettzimmer. 1-Bettzimmer gab es zwei auf unserer Station mit 60 Betten.
Die Visite wird auf Englisch geführt, was die wenigsten Patienten verstehen. Manchmal mutete uns das Verhalten der Ärzte etwas gefühllos an. Sie sind beim Verbandswechsel oder der Untersuchung nicht gerade zimperlich.
Das Arbeitsklima auf der Orthopädie war sehr angenehm. Ich durfte meine Fragen stellen und bekam viel erklärt. In der Mittagspause lud meist der älteste Assistenzarzt die anderen zum obligaten Tee ein.


Am meisten Freude hat mir die Arbeit mit den Kindern gemacht. Sie sind das schwächste Glied in der Gesellschaft. Öfter haben sie schlimmste Verletzungen und Brüche, da sie in eine Maschine gegriffen haben oder gelaufen sind. Bei den Verbandswechseln haben sie oft geweint oder gar geschrieen. Ich habe nicht herausbekommen, ob es an den tatsächlichen Schmerzen lag, oder an der Angst. Nachdem ich ein paar Mal beim Verbandswechsel der Kinder zusah, übernahm ich ihn mit dem anderen deutschen PJ-ler. Wir haben spezielle Kompressen gekauft, damit die Wunde nicht bei jedem Verbandswechsel aufgerissen wird und so besser und schneller heilen kann. Die Kinder waren ruhig und sichtlich erleichtert. Wir haben den Eltern über andere Patienten, die einigermaßen des Englischen mächtig waren, erklärt, dass sie die Kompressen kaufen sollten, da das zu einer schnelleren Genesung ihres Kindes führt.
Wir haben als PJ-ler immer häufiger festgestellt, dass wir Deutschland immer mehr schätzen. Hier haben wir ein gesichertes und gutes Gesundheitssystem. Man ist einigermaßen pünktlich, es ist sauber, wir können Salat essen ohne Angst vor der nächsten Magenverstimmung, wir können in eine Park gehen, ohne dass dafür jemand Eintritt verlangt, und vieles mehr.

Leider ist auch das Krankenhaus runtergewirtschaftet, wie der Rest des Landes. Vieles wird provisorisch repariert oder gar nicht. Korruption ist ein großes Problem. Hilfsgelder kommen nur teilweise oder nicht an. Nepal ist eines der ärmsten Länder der Welt. Seit ca. 13 Jahren herrscht eigentlich Bürgerkrieg. Der König will die Alleinherrschaft. Er ist stolz darauf, das einzige hinduistische Königreich zu beherrschen, aber sein Volk ist ihm egal. Die Maoisten wollen eine Schweiz Asiens aus dem Land machen; und kleinere Gruppen wollen auch gehört werden. So gibt es Streiks, die dazu führen, dass der Verkehr eingestellt wird und die meisten Geschäfte geschlossen bleiben. Ab und zu kommt es zu Demonstrationen, aber auch zu Straßenschlachten. Europäer sind dabei noch nicht zu Schaden gekommen. Sie sind sehr wichtig für die Menschen, da ein sehr großer Teil der Nepalesen vom Tourismus abhängig sind.

Die Maoisten haben ein recht soziales Konzept, allerdings versetzen sie die Menschen in Angst und Schrecken. Sie verlangen Schutzgelder, oder töten unerkannt Mitglieder aus dem Drogenmilieu. Aber auch andere. Die USA haben sie als Terroristen deklariert. Wenn sie das sind, dann auch der König. Gegenüber seinem Palast steht eine der mindestens drei großen Botschaften der USA. Im Juni standen Wahlen an, die allerdings verschoben wurden. Wie will man eine Demokratie in einem Land von ca. 30 Millionen Menschen errichten, in dem um 40% unter 18 Jahre alt sind, 40% Analphabeten sind, und wo die Wirtschaft durch viele Einflüsse, wie die Generalstreiks und dem jahrelangen Bürgerkrieg, völlig heruntergekommen ist?

In Thamel, dem Touristenviertel Katmandus, haben mich häufig Kinder angebettelt, um Geld oder ein Stück Brot. Ihr Atem roch nach Kleber. Sie schnüffeln ihn, um sich zu betäuben. Nachts sieht man sie dann auf der Straße schlafen. Kommt man etwas aus dem Kern der Stadt heraus, säumen Wellblechhütten den Fluss, der Dreckslatrine Katmandus.
Und wieder muss ich feststellen, wer in Deutschland sich über unsere Umstände beklagt, verkennt die Realität und ist ungerecht gegenüber dem Großteil der Welt.

Schmelzwasser aus dem Himalaja wird zu Strom

Ein Wochenende habe ich meinen Vater besucht. Er arbeitet ca. 5 Autostunden nordwestlich von Katmandu, am Fuße der Himlajaberge. Dort wird ein Wasserkraftwerk gebaut. Mein Vater ist zuständig für die vertragsgerechte Ausführung aller Stahlteile: von den Dämmtafeln der Staumauer über die Rohre, durch die das Flusswasser geleitet wird, bis zu den Turbinen.



Mit ihm zusammen war ich in Pokhara (884m), der zweitgrößten Stadt Nepals. Dort sind wir auf einen „Hügel“ (1592m) gestiegen, von dem aus man einige der höchsten Berge des Himalajas sehen kann: für mich war der Machhapuchare (6997m) am imposantesten.
Er liegt am weitesten im Land und sieht aus wie eine Fischflosse.

Auf der Rückfahrt nach Katmandu fuhren wir am Marshjangdi Fluss entlang. Überall, wo es geht, legen die Nepalesen Terrassenfelder an.






Die Menschen hier versuchen, wo sie können, zu arbeiten. Nur nicht so gründlich und sauber, wie wir es gewohnt. Oder sie eröffnen ein kleines Geschäft am Straßenrand. Sie sind bewundernswert.
Oft erscheint uns das Leben in Nepal wie ein Chaos. Aber es funktioniert. Auch die öffentlichen Verkehrsmittel fahren. Es gibt zwar keinen Fahrplan, aber man kommt vom Fleck.

Bakthapur, die Stadt der Töpfereikunst

So kamen wir auch irgendwie nach Bakthapur. Annie, Roland und ich sind am Hauptbusbahnhof von Katmandu in einen Bus gestiegen. Etwas abenteuerlich war es schon, als dann die ersten aufs Dach kletterten, da im Bus kein Platz mehr war. Es war ein Erlebnis, dicht gedrängt in der letzten Reihe zu sitzen und die Kopflehne fast im Rücken zu haben, weil die Nepalesen kleiner sind als wir. Die „Altstadt“ selbst ist eine verkehrsfreie Zone. Eine Erholung für die Ohren, die in Katmandu völlig überlastet sind durch das ständige Gehupe der Autos und Motorräder. Bekannt ist Bhaktapur durch seine Töpfereitradition.
Natürlich gibt es auch dort einen Durbar-Square (Platz, wo der König gekrönt wurde und auf dem der Königspalast steht). Allerdings ist er nicht so dicht mit Tempeln bebaut wie der in Katmandu. Der höchste Tempel im Katmandu-Tal ist in Bhaktapur zu finden.

Die Treppen zu dem Tempel sind von steinernen Tieren bewacht, wobei jedes nächsthöhere Tier 10 mal so stark ist wie das Tier unter ihm.
Wir kamen auch ins Gespräch mit nepalesischen Schulkindern, die gerade einen Ausflug machten. Sie fragten, was der Unterschied zwischen Nepal und Deutschland sei. „Deutschland sei sehr reich und schön.“ Ich überlegte kurz und antwortete: „Die Nepalesen sind glücklich, während die Deutschen häufig unzufrieden sind.“ Das konnten sie nicht verstehen. „Nach zwei Weltkriegen ging es doch in Deutschland bergauf, und ihr lebt in einem der reichsten Länder“ war ihre Antwort. „Wieso sind dann die Menschen unglücklich?“
Haben wir keine Träume mehr, oder sind wir übersättigt?

Nagarkot, Blick auf das Dach der Erde

Die meisten Touristen kommen nach Nepal, um hier in die Himalaja-Berge trekken zu gehen. Mich hat das nicht so wirklich gereizt, bis wir einen atemberaubenden Blick auf einige der Berge hatten. Nagarkot liegt etwa eine Stunde im Osten von Katmandu. Mein Vater hatte ein freies Wochenende, und wir sind zusammen mit Annie und Roland um 6 Uhr in der früh dorthin gefahren. Das Wetter war wunderschön. Wir waren überwältigt von der Kulisse der gewaltigen Riesen.
Die wandernde Sonne ließ sie in immer neuer Atmosphäre erscheinen. Das nächste Mal werde ich dort übernachten, am nächsten Morgen früh den Sonnenaufgang beobachten, und den ganzen Tag die Berge ansehen, bis zum Sonnenuntergang. Einer der schönsten Plätze der Welt, zur richtigen Jahreszeit.

Chitwan, Urwald an der Gangesebene

Ganz zum Schluss meiner 2 Monate in Nepal war ich noch im Chitwan Nationalpark. An der Grenze zu Indien erstreckt sich das fruchtbare Tiefland, das lebensvolle Paradies, das Stromland der Gebirgsflüsse, die Kornkammer.





Bei Elefantenritten begegnet man Nashörnern, Tigern, Leoparden, Schlangen, Affen, Wilden Schweinen, Büffeln und Rotwild. Am Ufer der Flüsse sieht man Sumpfkrokodile liegen. In der Luft fliegen 450 verschiedene Vogelarten und Pfaue. Ein Genuss für die Augen und die Ohren.

Am Ende habe ich die Menschen doch noch in mein Herz geschlossen, v.a. die Kinder auf der Station. Anfangs hätte ich das nicht gedacht. Ich habe wieder aufs Neue sehen und schätzen dürfen, dass es uns so gut geht in Deutschland.