Was bedeutet Dir Weihnachten? Wie geht es Dir gerade mit der Weihnachtszeit, in Anbetracht der vielen traurigen und grausamen Nachrichten und Ereignissen in dieser Welt? Hat uns Gott verlassen?
In der Wüste und weit weg von allem Vertrauten, von Familie und Freunden, in einer Stadt, in der es keine Kirche gibt in die man in den Weihnachtsgottesdienst gehen kann, bei Temperaturen, die eher an einen deutschen Hochsommer erinnern, wird mir so manches wieder bewusst und ich beginne, Dinge wieder aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.
So auch heute, der Tag, an dem wir in kleiner Runde Weihnachten gefeiert haben.
(zum Schutz habe ich manches geändert bzw. verallgemeinert)
(zum Schutz habe ich manches geändert bzw. verallgemeinert)
Vor vier Wochen haben sich das schwedisch-australische Ehepaar, Emma und Benjamin, das mit mir Arabisch lernt, das erste Mal zum Bibellesen und Singen getroffen. Eine Woche später war eine Asiatin dazu gekommen. Emma hatte Nellie im Fitnesstudio getroffen und sie eingeladen. Vorgestern bin ich auf dem Weg zum Müllcontainer zwei afrikanischen jungen Frauen begegnet, habe sie freundlich begrüsst. Benjamin hat sie auch gesehen und gleich für heute eingeladen. Es stellte sich heraus, Ruth und Deborah kommen aus zwei ostafrikanischen Ländern.
Nach gemeinsamen Singen reden wir ein wenig miteinander, erzählen von dem, was uns die Woche belastet hat, was uns Freude bereitet hat, und beten für- und miteinander. Gespannt höre ich den jungen Frauen zu.
Nellie hat drei Kinder in ihrem Heimatland und ist geschieden. Seit ca. 6 Wochen arbeitet sie nun hier als Trainerin in einem Fitnesstudio nur für Frauen, um ihre Kinder daheim zu untertützen, die derweil bei ihrer Großmutter leben. Sie muss sechs Tage die Woche arbeiten.
Ruth lebt seit einem reichlichen Jahr hier und arbeitet als Hausmädchen bei einer hiesigen Familie. Sie ist alleinstehend und hat eine 3-jährige Tochter, die bei ihrer Familie in ihrem Heimatland aufwächst. Hier muss Ruth morgens um 5 Uhr aufstehen, Kochen, putzen, die Kinder erziehen, die sie drangsalieren, und Wäsche waschen. Abends um 10 fällt sie dann müde ins Bett. Laut Vertrag hat sie ein Tag in der Woche frei, aber das hängt von der Laune der "Herren" ab. Ihr Smartphone hat ein ganzes Monatsgehalt gekostet. Selten hat sie die Möglichkeit daheim anzurufen, da es erstens sehr teuer ist, Skype hier nicht funktioniert, und ihre Familie daheim immer wieder jemanden fragen muss, ob sie ihr Handy haben können, um ein Telefonat von Ruth zu erhalten. Seit über einem Jahr war sie nicht mehr in einer Kirche. Vor etwa einem halben Jahr hat sie dann Deborah kennengelernt. Sie waren beide total glücklich, "jemanden mit der gleichen Hautfarbe getroffen" zu haben. So haben sie es uns selber erzählt :-)
Deborah hat zwei Kinder daheim, die bei ihrem Mann leben. Er findet als Informatiker in ihrem Land keine Arbeit. Sie selber hat ein abgeschlossenes Studium, und hat auch keine Arbeit in ihrem Land gefunden. Ihre 3-jährige Tochter hat ein "Loch im Herzen", und sie weiss nicht, ob sie in Zukunft operiert werden muss, oder ob sich das Loch von alleine verschliesst. Immer wieder wird die Tochter zum Arzt gebracht, zur Kontrolle. Sie macht sich große Sorgen.
Deborah und Ruth arbeiten sozusagen in der gleichen Familie, ihre Chefinnen sind Schwestern. Sie haben die gleichen Erfahrungen in ihren Familien. Später erfahre ich, dass sie nur 200 Euro im Monat bekommen. Das ist ein Stundenlohn von ca. 80 Cent. Wenn sie krank sind, arbeiten sie weiter. Es ist auch schon vorgekommen, dass sie Medikamente gegen Erkältung bekommen haben, und eigentlich waren es Antiallergika. Seitdem reden sie nicht mehr darüber, wenn es ihnen schlecht geht. Arztbesuche und Medikamente müssen sie selber zahlen. Leider haben sie keine schützenden Gesetze, auf die sie sich berufen können.
Nellie hat drei Kinder in ihrem Heimatland und ist geschieden. Seit ca. 6 Wochen arbeitet sie nun hier als Trainerin in einem Fitnesstudio nur für Frauen, um ihre Kinder daheim zu untertützen, die derweil bei ihrer Großmutter leben. Sie muss sechs Tage die Woche arbeiten.
Ruth lebt seit einem reichlichen Jahr hier und arbeitet als Hausmädchen bei einer hiesigen Familie. Sie ist alleinstehend und hat eine 3-jährige Tochter, die bei ihrer Familie in ihrem Heimatland aufwächst. Hier muss Ruth morgens um 5 Uhr aufstehen, Kochen, putzen, die Kinder erziehen, die sie drangsalieren, und Wäsche waschen. Abends um 10 fällt sie dann müde ins Bett. Laut Vertrag hat sie ein Tag in der Woche frei, aber das hängt von der Laune der "Herren" ab. Ihr Smartphone hat ein ganzes Monatsgehalt gekostet. Selten hat sie die Möglichkeit daheim anzurufen, da es erstens sehr teuer ist, Skype hier nicht funktioniert, und ihre Familie daheim immer wieder jemanden fragen muss, ob sie ihr Handy haben können, um ein Telefonat von Ruth zu erhalten. Seit über einem Jahr war sie nicht mehr in einer Kirche. Vor etwa einem halben Jahr hat sie dann Deborah kennengelernt. Sie waren beide total glücklich, "jemanden mit der gleichen Hautfarbe getroffen" zu haben. So haben sie es uns selber erzählt :-)
Deborah hat zwei Kinder daheim, die bei ihrem Mann leben. Er findet als Informatiker in ihrem Land keine Arbeit. Sie selber hat ein abgeschlossenes Studium, und hat auch keine Arbeit in ihrem Land gefunden. Ihre 3-jährige Tochter hat ein "Loch im Herzen", und sie weiss nicht, ob sie in Zukunft operiert werden muss, oder ob sich das Loch von alleine verschliesst. Immer wieder wird die Tochter zum Arzt gebracht, zur Kontrolle. Sie macht sich große Sorgen.
Deborah und Ruth arbeiten sozusagen in der gleichen Familie, ihre Chefinnen sind Schwestern. Sie haben die gleichen Erfahrungen in ihren Familien. Später erfahre ich, dass sie nur 200 Euro im Monat bekommen. Das ist ein Stundenlohn von ca. 80 Cent. Wenn sie krank sind, arbeiten sie weiter. Es ist auch schon vorgekommen, dass sie Medikamente gegen Erkältung bekommen haben, und eigentlich waren es Antiallergika. Seitdem reden sie nicht mehr darüber, wenn es ihnen schlecht geht. Arztbesuche und Medikamente müssen sie selber zahlen. Leider haben sie keine schützenden Gesetze, auf die sie sich berufen können.
Während sie so über ihre Situation erzählen, merke ich, wie sie immer wieder ihre Tränen zurückhalten müssen, und verlegen lachen. ABER: sie wissen sich in Gottes Hand, kommen immer wieder zurück zu Ihm im Gebet. Auch geben sie sich gegenseitig Halt. Ich bin tief beeindruckt, welche Kraft sie haben, wie sie die Schmach und die Erniedrigungen erdulden, und trotzdem fröhlich im Glauben sind.
Wir singen noch einige Lieder zusammen. Unter anderem eines meiner Lieblingslieder.
Dieses Lied berührt mich. Warum? Es ist schwer in Worte zu fassen. Mir gehen viele Gedanken durch den Kopf. Die Frequenz der schlechten Nachrichten und damit der menschlichen Grausamkeit scheint immer höher bzw. größer zu werden. Diese Welt scheint vor dem Untergang zu stehen. Diese Welt sehnt sich nach Frieden. Ist es wirklich so? Sehnt sie sich nach Frieden? Oder doch eher nach Erlösung? Ich sehne mich nach Erlösung dieser Welt. Nach Erlösung von dem Hass, von dem Grauen, von dem Bösen.
In diese Welt kam Gott vor 2000 Jahren, als Kind in der Krippe, weit weg von Prunk, Reichtum und Sicherheit, in einem Stall, in Armut und Ungewissheit in diese Welt. Der große Gott wurde ganz klein. Er wollte und will kein irdisches Reich aufbauen, Er will eine Beziehung zu jedem von uns. Er sehnt sich nach dieser Beziehung. In dieser Beziehung gibt es Aufs und Abs. Ich darf in dieser Beziehung Gott mein Leid klagen, aber auch die Gewissheit haben, Er hat diese Welt in Seiner Hand. Ja, ich sehe das heute weniger als vor ein paar Jahren, wenn ich mir die Geschehnisse in der Welt ansehe. Und trotzdem bin ich gewiss, Er hat diese Welt nicht vergessen. Und auch nicht verlassen. Er ist mit uns, wenn wir Ihn lassen.
Emma und ich haben ein Weihnachtsessen bereitet. Ich kann mir vorstellen, dass das für Euch weit davon entfernt ist. Es gab Lamm, asiatisches Hühnchen, italienischen Salat (eigentlich hatte ich gestern da noch Feta aus Saudi-Arabien beigefügt, der sich heute früh dann völlig verflüssigt hatte), Kartoffeln (oh, wie ich Kartoffeln liebe!!! nach vier Wochen fast ausschliesslich Reis), Gemüse. Zum Nachtisch gab es Schokopudding mit Obstsalat :-) Die beiden Hausmädchen waren völlig aus dem Häuschen. Schon lange hatte ihnen keiner mehr gekocht, und sie haben auch den ständigen Reis satt. Ja, Cola gab es auch. Ich trank sie mit Genuss, was ich sonst nicht von mir sagen kann. Aber es war mal was anderes :-) Die weihnachtlichen Servietten hatte Emma noch bei IKEA in Abu Dhabi besorgt.
Es sind ganz andere Weihnachten als bisher, aber ich fühle mich total wohl und reich beschenkt. Wir sind sieben Fremde (inzwischen hatte sich noch eine Amerikanerin dazu gesellt) weit weg von daheim. Jeder von uns hat eine andere Nationalität, von allen fünf Kontinenten. Jeder von uns hat einen völlig anderen Hintergrund und ein völlig anderes Leben hier. Und doch kommen wir zusammen und feiern auf unsere Art. Emma hat für uns alle Geschenke gemacht. Ich fühle mich aber schon beschenkt, in einer so bunten Gesellschaft Weihnachten feiern zu können.









