Montag, 18. Juni 2007

Shabbat

Freitag Abend sind Miriam (eine Freundin, die aus Würzburg kommt, und hier als Volotärin arbeitet) und ich zu einem US-amerikanischen Rabbi zum Shabbatabendessen gewesen. Jeder der möchte darf kommen. Wir waren mindestens 100 Leute in einem Wohnzimmer von 40 qm. Mit Miriam sass ich an einem Tisch mit Mädchen, die aus den Usa kommen und hier für eine Jahr eine Thoraschule besuchen. Zu Anfang wurde viel fröhlich gesungen und gebetet. Dann wurde über Traubensaft und Brot gebetet. Es folgte der erste Gang mit Salaten und Fisch und Hummus (Kichererbsencreme). Der Rabbi erzählte von seinem Erlebnis am Morgen:
"Heute Morgen habe ich das neue Auto eines Freundes ausgeliehen, da mein eigenes kaputt ist. Ich wollte die Klimaanlage anschalten, aber ich wusste nicht wie. Die ganzen Knöpfe auf dem Amaturenbrett brachten mich auch nicht weiter. So ging es mir auch mit dem Radio. Später am Nachmittag gab ich entnervt das Auto meinem Freund zurück. Der fragte mich, wie es fuhr. Da ich nicht allzu begeistert aussah, erklärte ich ihm, was war. Mein Freund betätigte ein paar Knöpfe, und schon funktionierte alles.
So ist es mit unserem Leben. Wenn wir die Gebrauchsanweisungen die von Gott kommen (in der Thora) nicht befolgen, dann können wir das Leben nicht in vollen Zügen geniessen."
Fortsetzung folgt

Dienstag, 12. Juni 2007

Begegnung mit zwei alten Patientinnen

Heute früh bei der Visite habe ich zwei sehr schöne Erlebnisse gehabt:
Uta wurde 1932 geboren. Schon das erste Mal, als ich ihr begegnet bin, habe ich die Tätovierung auf ihrem Unterarm gesehen. A **** (* steht für Zahlen). Später erfuhr ich, dass sie in Auschwitz im Konzentrationslager war. Bis jetzt ist sie mir auf den Visiten dadurch aufgefallen, dass sie nur Laute von sich gab, aber nicht redete. Sie leidet an Demenz. Heute bin ich zu ihr, hab sie erst etwas auf Hebräisch angesprochen, bis mir der russische Arzt zu verstehen gab, dass ich es mal mit Englisch versuchen soll. Ich fand heraus, dass sie aus Ungarn stammt. Also fing ich an, mit ihr Ungarisch zu reden. Auf einmal wurde ihre Sprache ganz deutlich. Sie ist 1948 nach Israel gekommen. Englisch hatte sie bei einem Aufenthalt in Schweden gelernt. Morgen werde ich sie noch etwas mehr ausfragen. Ich würde gerne mehr wissen über ihre Vergangenheit, aber ob ich da viel bohren sollte, bezweifle ich. Danach habe ich sie noch untersucht.
Helena ist schon 94 Jahre alt. Für ihr Alter ist sie noch sehr fit. Sie versogrt sich allein zu Hause. Ursprünglich kommt sie aus Holland. Während des 3. Reichs floh sie mit ihrem Mann nach Indonesien. Ihre vier Kinder hat sie in den USA grossgezogen. Inzwischen hat sie 16 Enkel und 20 Urenkel. Seit Sonntag befrage ich sie, und untersuche ich sie bei der Visite. Heute hat sich der Stationsarzt etwas länger mit ihr unterhalten. Ich stand dabei. Während des Gesprächs wollte ich sie einfach umarmen. Nach dem Gespräch nahm sie meine Hand und sagte mir: I love you. Ich musste sie einfach umarmen.

Sonntag, 10. Juni 2007

Wadi Kelt

Vor nun vier Wochen war ich mit vier Freunden im Wadi Kelt.










Es liegt zwischen Jerusalem und Jericho und ist ein ausgetrocknetes Flussbett. Richtig Steinwüste.











Mit dem arabischen Bus sind wir von Jerusalem in die Westbank, von dort Richtung Jericho. Auf halber Strecke sind wir ausgestiegen. Das Wetter war perfekt.
Leicht bewölkt und nicht zu heiss.

























































Nach zwei Stunden fing es an zu tröpfeln. Wir sangen: "Oh Herr, giesse Ströme des lebendigen Wassers aus, oh Herr, über uns. Sieh unser dürres Land, hör unser Schrein, nur Deine starke Hand, kann uns befreien." Eine weitere Stunde später goss es wie aus Eimern. Regen ist um diese Zeit sehr ungewöhnlich. Ich hab mich aber gefreut. Regen bringt Segen. Wir haben aber einen engen Unterschlupf gefunden. Irgendwann tropfte es aber auch dort rein. Pitschnass kamen wir dann raus. Aber es war spassig. Auf einmal hörte ich, als ob ein Fluss fliesst. In dem Moment sahen wir eine riesige schlammige Brühe im Flussbett fliessen.
Das sind Kräfte. Am Anfang der Tour hatten wir noch überlegt, unten im Tal entlang zu gehen. Später erfuhren wir, dass in einem anderen Wadi 4 junge Leute umgekommen sind. Sie waren unten entlangelaufen. Das war echt Bewahrung.







Kurze Zeit später waren wir im St. Georgs-Kloster. Es ist griechisch-orthodox. Hier soll Eli vierzig Tage von den Raben versorgt worden sein.


















Nach einer Weile weiteren Fußmarsches haben wir Jericho gesehen aus der Ferne. Später waren wir auch noch richtig in Jericho.






















Von dort kamen viele der Attentäter, die sich in Jerusalem in die Luft gejagt haben. Ein trauriges Städtchen. Die jungen Männer sitzen auf der Strasse und haben nichts zu tun. Keiner stellt sie an, mal die Stadt aufzubauen. Sie ist unter palästinensischer Herrschaft.