Ich weiss gar nicht, wie ich anfangen soll. Ich bin aufgewühlt, verwirrt, traurig, glücklich, zerrissen.
Vor zwei Monaten habe ich mein Flugticket nach Tel Aviv gebucht. Letzten Sonntag war es dann soweit. Ich konnte nach über einem Jahr wieder nach Israel. Ich habe mich auf die Woche in Israel gefreut. Und ich wusste, dass es anders sein wird als meine bisherigen Aufenthalte. Freunde hatten mich gefragt, ob ich es mit meiner Entscheidung ernst meine, ob ich nicht lieber aufgrund der Sicherheitslage in Deutschland bleiben wolle. Ich verstand ihre Einwände. Und doch zog es mich nach Israel. Wie könnte ich nicht nach Israel in dieser Lage fliegen, obwohl ich vor fast zwei Jahren mich dafür entschieden hatte in den mir unbekannte Libanon zu fliegen, um unter syrischen Flüchtlingen zu arbeiten. Die Sicherheitslage im Libanon war schon damals sehr angespannt. Also flog ich nach Tel Aviv.
Der Flug von Rom wurde um 10 Stunden in die Nacht, also die frühen Morgenstunden vom Montag verschoben. Um die Zeit fliegen die wenigsten Raketen aus dem Gaza-Streifen. Auch Terroristen müssen mal schlafen. Bei der Landung in Tel Aviv hatte ich dann doch etwas Angst bekommen. Was, wenn doch eine Rakete gen Flughafen geschossen wird? Was, wenn das Flugzeug dabei getroffen wird und in die Luft fliegt?
Gegen 4 Uhr morgens war ich dann überglücklich, heil gelandet zu sein. Mit dem Zug fuhr ich nach Tel Aviv, und weiter mit dem Taxi. Müde fiel ich ins Bett. Nachdem ich gegen 10:00 aufgestanden war, war mein erster Gang unter die Dusche. Gut eingeseift hörte ich auf einmal die Sirenen. Ich wusste, ich hatte 15 Sekunden um mich in Sicherheit zu bringen. Meine Freundin Peggy rief mir zu, dass ich mir Handtücher umwerfen und ihr in den Keller folgen solle. Etwas angenervt tat ich wie sie mir sagte. Im Treppenhaus hörten wir von draussen mehrere dumpfe Knalls. Die "Eiserne Kuppel" hatte mehrere Raketen die aus dem Gazastreifen abgeschossen wurden entschärft. Zwei Minuten später war alles vorbei und ich konnte mich endlich abduschen. So sauber war ich vielleicht lange nicht mehr.
Auf dem Weg in die Wohnung dachte ich an die Menschen im Gazastreifen. Wie mag es ihnen ergehen, die doch ständig unter Beschuss sind und fliehen müssen, oder sterben.
Die Nachrichten sind voller Meldungen, die ich noch verarbeiten muss und werde. Sicher ist: die Hamas hat, vom Westen nicht wahrgenommen, Israel ständig mit Raketen beschossen. Kein Land dieser Welt würde das unendlich über sich ergehen lassen. Israel musste handeln um seine Bevölkerung zu schützen. Aber was ist mit der Bevölkerung im Gaza-Streifen? Sie wird von der Hamas missbraucht. Die Hamas versteckt sich in Wohnhäusern, Schulen, sogar unter Moscheen und schiesst von dort ihre Raketen gen Israel. Inzwischen sind auch schon Tunnel entdeckt worden, die bis tief in Israel hineinreichen. Israel kann sich leider nicht wehren, ohne Palästinenser zu töten. Leider. Und der "Hamas-Regierung" spielen die hohen Opferzahlen nur noch in die Hände. In europäischen Städten gehen Menschen (v.a. Araber) auf die Straße, um gegen Israel zu demonstrieren. Wo sind/ waren sie, um gegen das Morden in Syrien oder im Irak zu demonstrieren?
Die Welt ist auf einmal wieder so anders. Alles wird relativ. Die Probleme die ich und andere in Deutschland haben tangieren mich nicht mehr. Mir wird wieder bewusst, in welcher Welt wir eigentlich leben. Einer Welt voller Leid, Verfolgung und Krieg. Nicht unweit von hier werden Christen wegen ihres Glaubens vertrieben und verfolgt. Die Terrorgruppe ISIS gewinnt immer mehr Macht und Einfluss. Wann wachen wir in Europa endlich aus unserem Dornröschen-Schlaf auf?