Gerade komme ich der Synagoge, 10 Minuten entfernt von mir. Drei Stunden habe ich dort verbracht. Heute Abend beginnt Simchat Tora, ein Freudenfest. Als 10 Männer da waren, begannen sie zu beten. Später kamen mehr und mehr dazu, unter anderem ein alter Mann mit Rollator, einer mit einem Gewehr, einer mit dem Kinderewagen, einer mit Dreadlocks. Ich saß in den durch eine Blende abgetrennten Teil für die Frauen, alleine. Ich kam mir fehl am Platz vor. Irgendwann kamen dann auch Frauen dazu. Es wurde gebetet, herzlich begrüßt, geredet. Noa lud mich dann zum Essen gleich neben dem Gebetsraum ein. Sie studiert Psychologie. Ihre Freundin Aurelie hatte ein Neugeborenens auf dem Arm. Es gab Brot, Hummus, Salat, Tomaten, Auberginencreme. Irgendwann fingen dann die Männer an zu tanzen, die Tische leerten sich. Wir Frauen wollten uns das auch ansehen. Die Männer tanzten um das Lesepult, hüpften, hatten ein Kind auf den Schultern und/ oder eine Tora in der Hand, sie sangen, jubelten laut, manche Kinder hatten eine kleine Tora in der Hand. Ich dachte nur, die können wirklich feiern. Das ging etwa eineinhalb Stunden so. So lang kam es mir gar nicht vor. Dann wurden die Torarollen wieder in den Toraschrank gelegt. Aus einer wurde gelesen, aus dem 1. Buch Mose. Die Tora wird in einem Jahr "durchglesen". Heute Abend fängt man wieder von vorne an.
Schön, dass Du den Weg auf meinen Blog gefunden hast. Du kannst gerne einen Kommentar abgeben, Deine Meinung äussern, Deine Erlebnisse oder Gedanken schildern. Alles, was im Text grau ist, ist ein sogenannter Link, d.h. Du klickst einfach auf das Wort und wirst auf eine Seite weitergeleitet, die entweder eine Definition des Wortes oder weitere Informationen enthält. Viel Freude beim Lesen!
Mittwoch, 19. Oktober 2011
Freitag, 14. Oktober 2011
vom österreichischen Hospiz über eine Sukka ins deutsche Hospiz
Leider war unsere 2. Nacht im österreichischen Hospiz auch unsere letzte. Alles belegt. Ja so ist das, wenn man spontan ist. Wohl gestärkt vom Buffet fahren wir mit der Straßenbahn, die noch kostenlos ist, nach Yad Vashem. Trotz dessen, dass ich schon zum 3. Mal da bin, finde ich immer noch Neues: v.a. Einzelschicksale, Berichte von Überlebenden. Erinnern und nicht beschuldigen ist das Ziel der Holocaust-Gedänkstätte.
Mit der vollen (hier sitzt der ultraorthodoxe Jude auch mal neben dem Moslem, die ultraortodoxe junge Mutter photographiert ihr Kind im Kinderwagen mit dem iPhone) Straßenbahn fahren wir dann wieder auf den Mahne Jehuda, dem Markt. Gegen halb 2 drängen wir uns durch die Menschenmassen.
Verkäufer preisen ihre Wahre an, Gewürzstände verbreiten eine Mischung aus verschiedenen Düften (Zimt, Kardamon, Curry, Safran, Zater, uvm), die vielen Obstände machen mir bewusst, wie gesund man hier leben kann, es wird an Fischständen gefeilscht, 3 Männer sitzen gemütlich zusammen bei Bier und Zigartte, die jüdische Mutter verliert ihre Kinderschar nicht aus den Augen, Touristen versuchen die besten Bilder zu schiessen, und die Sonne strahlt fröhlich am hellblauen Himmel. Mir ist immer noch nicht ganz klar, wann nun die Geschäfte schliessen.Durch das Damaskus-Tor und die muslimische Altstadt kommen wir wieder zum Johanniter-Hospiz. Wenn wir nichts mehr finden, dann werden sie eine Lösung finden. Im österreichischen Hospiz sowie auf dem Dach des Citadel-Hostels ist kein Platz mehr.
Die Nacht wird kalt, und so bekommen wir das "Souq-Palais" im Johanniter-Hospiz, direkt über einer der vielen Verkaufsstraßen im Herzen von Jerusalem. Wir sind heilfroh. Es ist schon dunkel, der Sabbat ist angebrochen, und wir machen uns auf den Weg an die West-Mauer. Alle scheinen zu Hause sich auf das Festmahl (wie jeden Freitag) vorzubereiten.
So machen wir uns auch bald zu der Machlis-Familie im Norden der Stadt, auf der grünen Linie. Als ich in das Wohnzimmer trete, ist es völlig leer. Wir werden weitergeführt in den Hof des Hauses. Hier ist eine ca. 60qm große Laubhütte aufgebaut. Es ist wie immer sehr familiär, fröhlich, ausgelassen. Ein wunderschönes Erlebnis. Sukkot zeigt uns, dass wenn wir Gott haben, nicht mehr brauchen, dass wir dann auch in einer einfachen Hütte leben können, denn er gibt uns alles. Sukkot lehrt uns dankbar für das zu sein, was wir haben. Reich beschenkt gehen wir wieder nach Hause. Hier treffen wir Veronique, die den Weg zu ihrem Hotel sucht. Als Frau sollte man nicht alleine durch die dunklen labyrinthartig angeordneten Gassen. Wir begleiten sie noch nach Hause. Es stellt sich heraus, sie ist Kongolesen, Nichte von Patrice Lumumba, und sie sucht in Israel politisches Asyl.
So machen wir uns auch bald zu der Machlis-Familie im Norden der Stadt, auf der grünen Linie. Als ich in das Wohnzimmer trete, ist es völlig leer. Wir werden weitergeführt in den Hof des Hauses. Hier ist eine ca. 60qm große Laubhütte aufgebaut. Es ist wie immer sehr familiär, fröhlich, ausgelassen. Ein wunderschönes Erlebnis. Sukkot zeigt uns, dass wenn wir Gott haben, nicht mehr brauchen, dass wir dann auch in einer einfachen Hütte leben können, denn er gibt uns alles. Sukkot lehrt uns dankbar für das zu sein, was wir haben. Reich beschenkt gehen wir wieder nach Hause. Hier treffen wir Veronique, die den Weg zu ihrem Hotel sucht. Als Frau sollte man nicht alleine durch die dunklen labyrinthartig angeordneten Gassen. Wir begleiten sie noch nach Hause. Es stellt sich heraus, sie ist Kongolesen, Nichte von Patrice Lumumba, und sie sucht in Israel politisches Asyl.
Donnerstag, 13. Oktober 2011
gestärkt in die große Synagoge von Jerusalem
Wie wir uns es vorgestellt hatten, fast. Eine österreichische Volontärin begrüßt uns vor dem Eingang zum Speisesaal und führt uns an unseren Tisch. Das Buffet hat viel gutes zu bieten: helle und dunkle Brötchen, verschiedene Frischkäsesorten, Apfel-Zimt-Jogurth, Müsli, Tomaten, Gurken, Paprika, Käse, Marmelade, Orangen- und Grapefruit-Saft, Tee, Kaffe, einfach lecker.
Nach dieser reichhaltigen Stärkung gehen wir durch das Damaskus-Tor aus der Altstadt heraus in die Neustadt. Ca. 1400 Gläubige (und Nichtgläubige) haben Platz in der großen Synagoge. Unten die Männer, auf der Empore sozusagen die Frauen. Am Eingang werden uns die Kameras abgenommen. Es ist ein Erlebnis, wenn ich auch nur wenige Worte verstehe. Die Männer haben häufig einen Anzug und darüber den weißen Tallit (Gebetsmantel). Die Frauen sind festlich gekleidet, oft mit Gebetsbuch in der Hand. Insgesamt scheint jeder zu kommen und zu gehen, wann es ihm gefällt. Unten, in der Mitte des großen Saales stehen mehrere Gläubige um ein Lesepult, einer liest laut aus der Tora, den Text "verfolgt" er mit einem Zeigestab. Danach wird sie in einer kleinen Zeremonie wieder in den Toraschrein gestellt. Dabei singt der imposante Männerchor. Ich wünschte, wir hätten jemanden, der uns mehr erklären kann.
Nach einer Stunde machen wir uns auf in die deutsche Kolonie in Jerusalem. Hier hatten sich die Mitglieder des Templerordens in der 2. Hälfte des 19. Jhdts. niedergelassen. Man sieht die deutsche Genauigkeit :-) Durch das romantische Künstlerviertel (viele Bögen mit farbenfrohen Buggenvilien) gehen wir dann wieder in die Altstadt, an die Westmauer. Hier treffen wir noch Laura aus meinem Kurs in Tel Aviv. Mit ihr spielen wir dann noch eine Runde Heck-Meck, und gönnen uns eine Sachertorte. Dabei fällt uns auf, dass wir zum ersten mal bewusst Sachertorte essen. Später am Abend gehen wir dann in die Neustadt, zum Ende des Feiertages. Heute hat alles geschlossen, wie an Shabbat. Doch am Abend machen die Geschäfte nochmal für etwa 3 Stunden auf. Auf der Fußgängerzone sind die Laubhütten verschiedener Läden aneinander gereiht. Es ist ein seltenes aber faszinierendes Bild. Sogar die Stadverwaltung hat eine riesige Laubhütte aufgebaut. Hier können Kinder u.a. Seifenblasen mit selbstgemachten Blasringen pusten. Ein ultraorthodoxer Vater photographiert seine 2 kleinen Söhne dabei mit dem iPhone. Da prallen 2 völlig verschiedene Welten aufeinander. Auf dem Rückweg hören wir noch das Läuten von Kirchenglocken. Es ist ganz schön kalt geworden inzwischen. Für einen kurzen Moment fühlen wir uns wie in Deutschland.
Nach dieser reichhaltigen Stärkung gehen wir durch das Damaskus-Tor aus der Altstadt heraus in die Neustadt. Ca. 1400 Gläubige (und Nichtgläubige) haben Platz in der großen Synagoge. Unten die Männer, auf der Empore sozusagen die Frauen. Am Eingang werden uns die Kameras abgenommen. Es ist ein Erlebnis, wenn ich auch nur wenige Worte verstehe. Die Männer haben häufig einen Anzug und darüber den weißen Tallit (Gebetsmantel). Die Frauen sind festlich gekleidet, oft mit Gebetsbuch in der Hand. Insgesamt scheint jeder zu kommen und zu gehen, wann es ihm gefällt. Unten, in der Mitte des großen Saales stehen mehrere Gläubige um ein Lesepult, einer liest laut aus der Tora, den Text "verfolgt" er mit einem Zeigestab. Danach wird sie in einer kleinen Zeremonie wieder in den Toraschrein gestellt. Dabei singt der imposante Männerchor. Ich wünschte, wir hätten jemanden, der uns mehr erklären kann.Mittwoch, 12. Oktober 2011
live aus Jerusalem
Christine und ich bummeln durch die Stadt, immer mehr Läden schliessen, die letzten Verkäufer preisen noch ihre Wahre an. Wir folgen dem Strom der vielen festlich gekleideten Juden bist zur Westmauer.

Dort stehen auch zwei Laubhütten, meiner Vermutung nach für Bedürftige. Auf dem Platz hört man Hebräisch, Englisch, Französisch, Jiddisch. Wir sind eine der ganz wenigen Touristen. Das Photographieren auf dem Platz ist (an Festtagen) nicht erlaubt, genausowenig das Benutzen eines Handys. Wir ziehen uns zu einem "Aussichtspunkt" zurück. Der Blick hier ist wunderbar. Immer wieder bin ich überwältigt, wie dieses kleine Volk so viel Verfolgung überlebt hat, und heute einen Staat hat, in dem sie sich sammeln, von allen vier Enden der Erde. Mich spricht ein ultraorthodoxer Jude, mit dicker Hornbrille, langen Schläfenlocken, schwarzem Hut und langen Mantel an: woher wir kommen, wo ich Hebräisch lerne, dass er uns schon mal gesehen hat, dass er schon in Deutschland war. Selten schaut er mich dabei an. Er erzählt, dass er Klesmermusik macht. Ich frage, wo man sie hören kann. Ich könne ihm eine e-Mail senden. Er gibt mir seine e-Mail Adresse, er darf heute nicht schreiben, denn Feiertage werden wie Shabbat gezählt. Auf Facebook ist die "Band" auch zu finden. Dann entschwindet er schnell, als er einen "Glaubensbruder" sieht. Vorher sagt er mir noch, dass er eigentlich gar nicht mit mir (als Frau und nicht-Jüdin) reden darf.
Abends wird einem abgeraten, durch die dunklen Gassen der Altstadt zu gehen. Darüber setzten wir uns einfach hinweg, folgen unserem Entdeckerdrang und entdecken die Gegend bei Nacht. Immer wieder gibt es interessante Bilder: ein arabischer Händler, der genüsslich an seiner Schischa (Wasserpfeife) raucht, direkt neben einer großen Synagoge steht eine Moschee, davor 3 Laubhütten, und darüber der Mond. Wir lucken in ein Wohnzimmer, wo junger Männer Schischa rauchen und ihre Kräfte messen, Katzen huschen über den schmutzigen Weg, Kinder spielen im Halbdunkel Fußball. Wir gehen noch einmal über den Platz vor der Westmauer: kaum ein Gläubiger zu sehen. Sie sind alle in den Häusern, vermutlich bei einem Festmahl.
Es ist kühl, und so eilen wir zurück in unsere Herberge, in einen Schlafsaal mit 10 anderen Frauen. Morgen Früh erwartet uns ein Frühstück. Wir sind gespannt. Wir hoffen auf ein Buffet :-)
Donnerstag, 6. Oktober 2011
verloren bei Nacht am Nabel der Welt
Massada, eine Festung am tiefsten Punkt der Erde: hier fand ca. 70 n. Chr. ein kollektiver (Selbst)mord statt. Wieso? Die Römer hatten eine der letzten jüdischen Rebellen belagert. Sie wollten lieber sterben, als als Sklaven für die Römer zu arbeiten. Ein paar Jahre hatten die Juden sich "häuslich" auf dem Tafelberg eingerichtet, wo Herodes sich einstmal eine wunderbare Festung gebaut hatte. Dann kam die monatelange Belagerung der Römer und so wurden 10 Männer ausgelost, die die anderen etwa 900 Menschen töten, und zum Schluss wurde einer aus den 10 ausgelost, der die anderen 9 und dann sich selbst umbringt. Diese Lose hat man bei Ausgrabungen gefunden. Heute ist es ein wichtiges Symbol des jüdischen Freiheitswillens.
Mit dem Bus sind wir von Tel Aviv nach Arad in der Negevwüste. Von dort haben wir ein Taxi genommen. Mit 80 km/h und mehr fuhr unser Fahrer die Serpentinen runter und rauf. Sein Kaffee, bis zum Rand gefüllt, schwappte nicht um, aber uns wurde es sehr mulmig. Irgendwann bat ich ihn, langsamer zu fahren. Er erklärte uns, dass er langsam fährt, und dass wir froh sein können, dass wir überhaupt jemanden gefunden haben, der uns an die Westseite von Massada fährt. Nun gut.
Wir waren heilfroh, als wir unversehrt ankamen. Uns begrüßte eine freundliche Dame. Wir schienen hier die einzigen Besucher zu sein. Der Hauptzugang zu der Festung ist auf der Ostseite, vom Toten Meer aus. Wir legten erst einmal unsere Rucksäcke ab. Es war schon Mittag. Wir wollten noch in die etwa 15 km entfernte Oase Ein Gedi. Die Dame erklärte uns, dass wir als Rückweg 2 Optionen haben: mit der Gondel von der Ostseite hochfahren und von der Festung wieder runter laufen, oder einen Wanderweg nehmen. In beiden Fällen müssten wir aber spätestens um 16 Uhr an den Eingängen sein, weil sie dann geschlossen werden. 
Wir gingen die Rampe, die die Römer damals bauten, um die Rebellenburg einzunehmen, hinauf, überquerten das Plateau, und gingen den Schlangenweg hinunter. 400 Höhenmeter. Dabei hatten wir einen wunderbaren Blick auf das Salzmeer (wie die Israelis es nennen).
Unten angekommen, und nach etwas Wartezeit, fuhren wir nach Ein Gedi, eine Oase mit einem Wassefällchen und viel Grün. In den verschiedenen kleinen Pools kann man sich abkühlen. Leider hatten wir nur wenig Zeit.
Ein alter Beduine fuhr uns mit einem Pick-up zu unserem Zelt. Gleich daneben war eine tolle Waschanlage. Nachdem wir uns geduscht hatten, lud uns unserer beduinische Nachtwächter, der ein Zelt gleich neben uns aufgeschlagen hatte, zu Kaffee und Wasserpfeife ein. Wir hatten noch ein paar Nüsse beigesteuert. Wir unterhielten uns mit ihm: ich kramte all mein Hebräisch aus, und wir waren erstaunt, wie gut man sich doch mit so einem beschränkten Vokabular, Händen und Füßen, und gebrochenem Englisch unterhalten kann.
Irgendwann fielen wir müde und heilfroh, gut angekommen zu sein, in unsere Schlafsäcke.
Dienstag, 4. Oktober 2011
ein Tag in Caesars Stadt
Wie jeden Morgen, war das Wetter auch heute früh herrlich. Wir packen unsere Rucksäcke und wandern gen Bahnhof. Halb 9 hat die Sonne schon sehr viel Kraft. Ich weiss nur, dass es einen Bahnhof in Caesarea gibt, aber nicht, wo er genau ist. Dort sieht es sehr leer aus, wir sind irgendwo im Industriegelände angekommen. Die Bushaltestelle ist auch leer. Aber Christine entdeckt ein Taxi auf der anderen Seite des Bahnhofs. So rennen wir auf die andere Seite, schnell noch dem Sicherheitsmenschen erklärt, was unser Ziel ist, unsere deutschen Pässe gezeigt, und das Taxi erwischt. Ein freundlicher rumänisch-stämmiger Israeli fährt uns für 10 Euro in die Altstadt. Da er kein Englisch spricht, bin ich gezwungen, mein wenig Hebräisch zu verwenden. Die Neustadt gehört zu den teuersten Wohngegenden Israels.
Caesarea ist meiner Meinung nach eine der schönsten Plätze in Israel:
direkt am Meer gelegen, eine Stadt voller Geschichten. Die gleichen
Völker waren hier, die auch in Akko ihren Fingerabdruck hinterliessen.
Herodes der Große hatte eine Vision: eine prunkvolle Hafenstadt zu Ehren des
Kaiser Augustus zu bauen. Das hat er auch in etwa 12 Jahren geschafft. Vor über 120 Jahren wurde es auf Initiative des Baron Rothschild wieder "neu entdeckt".
Nach diesem Tag voller Archäologie und Geschichte fahren wir mit dem Zug
weiter nach Tel Aviv. Hier gehen wir noch am Strand entlang nach Jaffa,
der schönen, romantisch anmutenden Altstadt von Tel Aviv.

Hier
verweilen wir eine Weile, die Sonne ist schon lange untergeganen, und
geniessen den Blick auf das nächtliche Tel Aviv.
Montag, 3. Oktober 2011
unser Tag der deutschen Einheit

Waleed hatte mir noch gestern Abend versprochen, dass er uns den Norden Israels zeigt. Normalerweise macht er die Reise mit mind. 5 Leuten. Aber es fand sich nur einer. Aber er hatte es mir versprochen. So fahren wir mit seinem VW Touareg morgens um halb neun los. Zuerst in einen Ort nahe an der libanesischen Grenze. Hier gab es bis in die 70er Jahre einen Übergang, der aber inzwischen geschlossen ist. Unglaublich, man kann in den Libanon blicken, aber der einzige Weg, dorthin zu kommen ist von Amman in Jordanien aus nach Beirut im Libanon zu fliegen. Es ist so nah, und doch sofern. Unser nächstes Ziel scheint so unberührt von jeglichen politischen Konflikten: die Banyas Wasserfälle.

Waleed fährt uns weiter in ein Drusen-Städtchen. Am Rande steht ein unscheinbarer Container, auf den etwas auf Hebräisch gekrizelt ist: Pita mit Labneh und Zatar. Eine Drusin kommt aus dem Haus, geht in den Container und öffnet "den Laden": vor unseren Augen bereitet sie hauchdünne Pitta, bestreicht es mit Labneh und gibt Zatter drauf. Schmeckt wunderbar. Wir gehen dann noch ins Haus, wo es Tomaten und Gurken gibt, zum Nachtisch Äpfel (die Äpfel aus den Golanhöhen sind sehr beliebt) und Tee. Einfach schön.
Als nächstes fahren wir durch Minenfelder an eine Stelle in den Golanhöhen, mit Blick auf
Niemandsland (in dem die UN stationiert ist), Syrien und den ganzen Norden Israels, bei gutem Wetter. Hier kommen die Geschichte und die politisch
kalten Verhältnisse so nahe. Schwer zu beschreiben, muss man selbst
erleben. Im 6-Tage-Krieg hat Israel die Golanhöhen erobert. Es ist immer wieder ein Thema bei (Friedens)Gesprächen zwischen Israel und Syrien, wenn sie statt finden.
Nach diesem kriegerischen Schauplatz fahren wir an den See Genezareth, einem Wirkungsort Jesu. Wir lassen uns mit anderen Touristen in ein Ufo mitreissen. Ja, über dem Haus, wo einst Petrus gewohnt haben soll (in Kapernaum) wurde eine Kirche errichtet, die seltsam anmutet, aber von innen doch recht hübsch ist. Ein paar Meter weiter steht eine Synagoge, in der Jesus gelehrt haben soll. Später fahren wir noch direkt an den See, zur "Magic Hour". Um die Zeit ist die Sonne kurz vorm Untergang und erzeugt so eine besonders schöne Athmosphäre.
Nach Sonnenuntergang kommen wir wieder in Akko an. Christine, Elli und ich kaufen uns noch ein bunten Teller mit Baklava. Wir lassen den Tag Revue passieren und feiern ein wenig den "Tag der deutschen Einheit". Welch ein Segen der doch auch für uns war. Auch was das Reisen betrifft.
Sonntag, 2. Oktober 2011
Aufwachen in Akko
Gegen 3 Uhr sind Christine und Elli gelandet. Ich habe die halbe Nacht
am Flughafen verbracht, da der letzte Zug gg. 23:00 fuhr, und die Uhren
auf Winterzeit umgestellt wurden. Schön, dass die beiden gut angekommen
sind. Wir nehmen den Zug nach Akko, 20 km von der
isralisch-libanesischen Grenze entfernt. Um 7 fallen wir froh und
hundemüde in unsere Betten, im Hostel von Waleed. Leider ist der Schlaf
nicht so erholsam, da das Zimmer direkt einer Straße in der Altstadt
zugewandt ist, die besonders befahren wird. Für Waleed kein Problem. Wir
bekommen ein ruhiges Zimmerchen.
Unser nächstes Ziel ist: Essen. Durch
den arabischen Souq, engen Gassen, wo Männer Backgammon oder Karten
spielen, kommen wir zum Hafen.
Hier setzen wir uns in ein kleines
Restaurant und bestellen uns das landestypische Falafel. Dazu kann man sich an der "Salatbar" reichlich bedienen.
Akko ist Weltkulturerbe der UNESCO. Heute leben hier etwa 75% Juden, 25% Araber, ein Ort, an dem das Zusammenleben scheinbar funktioniert. Hier waren die Griechen, die Perser, Römer, die Araber, die Kreuzritter, die Mamluken und die Osmanen. Jede Herrschaft hat ihre Spuren hinterlassen.
Riesige mittelalterliche Rittersäle, wo geplant, gelebt und gefeiert wurde, wahrscheinlich bei deftigem Essen (so stellen wir es uns vor). Ein Saal diente für Gefangene.
Das türkische Bad wurde bis 1950 besucht. Der Sohn des letzten Bademeisters führt uns virtuell durch die Badehallen, zum Teil mit echtem Dampf. Es ist ein Erlebnis. Noch besser wäre es, wenn es noch in Benutzung wäre.
Vor 17 Jahren wurde der Templertunnel zufällig entdeckt: bei Reparaturarbeiten aufgrund eines Wasserrohrbruchs bei einer alten Dame stieß man auf das beindruckende System. Es ist eine Art Versorgungs und Fluchtweg zur und von der Burg gewesen.
Inzwischen ist die Sonne untergegangen, und wir schlendern noch durch die in warmen Licht getauchte Altstadt, mit engen Gassen. Ab und an erhaschen wir einen Blick in eine Wohnung. Zu guter letzt verlassen wir die Mauern der Altstadt und gönnen uns abermals Falafel und Shawarma. Die jungen Araber scheint es zu gefallen, 3 junge Deutsche zu bewirten.
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