Freitag, 28. September 2012

Frauenarbeit und das Bethlehem Bible College

Nach dem Frühstück fahren wir, meine Mitbewohnerin, drei Frauen von Musalaha und ich, in Dörfer in der Umgebung von Bethlehem. Entlegen, schlecht angebunden, in der trockenen Steinwüste. Wir brachten drei Familien ein paar Lebensmittel. Zwei der Palästinenser die wir besuchten, waren auf Rollstühle angewiesen. Eine Frau war querschnittsgelähmt. Ihr Mann kümmernt sich um sie seit 15 Jahren. Die hat es in der Zeit geschafft 4 Söhne groß zu ziehen, und auch den Haushalt zu machen. Das ist nicht selbstverständlich. Meine Mitbewohnerin erzählt mir von einem Fall, wo die junge Frau aufgrund eines Unfalls pflegebedürftig wurde. Der Mann ließ sich von der jungen Mutter scheiden, da sie nicht mehr gut genug als Ehefrau und Mutter sei. Das ist nicht ungewöhnlich.  
Musalaha ist eine Organisation zur Förderung der Versöhnung, zwischen Juden und Arabern, aber auch zwischen Christen und Muslimen, wie mir meine Mitbewohnerin sagt. In ihrer Gruppe ist eine der treibenden Kräfte eine Muslima, Mutter von sieben Kindern, der Mann lebt und arbeitet in Tel Aviv, kommt nur am Wochenende nach Hause.
Auf der Rückfahrt Richtung Bethlehem reden die Frauen über die palästinensischen "Flüchtlinge" im Westjordanland: sie bekommen viele Leistungen umsonst, zahlen keine Strom- oder Wasserkosten. Das ärgert die "sesshaften" Palästinenser, die Nebenkosten zahlen müssen, und immer gucken, wie sie sparen. Das erinnert mich an die Situation bei uns in Deutschland zwischen der arbeitenden Bevölkerung und denen, die Sozialleistungen erhalten.

Gegen Mittag sind wir wieder in Bethlehem. Meine Mitbewohnerin lehrt an der Bibelschule von Bethlehem. Zwischen 10 bis 20% der Bewohner Bethlehems sind Christen. Vor 10 Jahren waren es noch mindestens doppelt so viele. Während meine Mitbewohnerin ihre Schüler lehrt, führt mich eine junge Dame durch die Bibelschule. Währenddessen, es ist Freitag Mittag, brüllen Imame über Minarette ihre Predigten. Meine Führerin sagt mir, dass sie unter anderem gegen die "Nichtgläubigen" predigen, dass sie die Feinde sind, dass man sie schlechter behandeln muss als "Gläubige". Mir geht es kalt den Rücken hinunter. Sie sagt mir, dass sie manchmal schon gar nicht hinhört. Die palästinensischen Christen stehen zwischen allen Stühlen. Sie brauchen unser Gebet und unsere Unterstützung.




Am Abend gehen meine Mitbewohnerin, eine Freundin und die Töchter von den beiden, und ich in das Restaurant des Schwagers meiner Mitbewohnerin. Wir bestellen Tabuleh, Humus und Auberginen-Creme. Dazu gibt es lecker Vollkorn-Pita und Säfte. Die Shischa darf auch nicht fehlen :-)



Freiheit zur Verantwortung

Die Rede von Guido Westerwelle vor der UN:


Guido Westerwelles Rede als PDF-Datei

Rede vor der UN von Mahmoud Abbas und Benjamin Netanjahu


Mahmoud Abbas Rede als PDF-Datei 


Benjamin Netanjahus Rede als Zusammenfassung

Donnerstag, 27. September 2012

eine rasante Fahrt von Ramallah nach Bethlehem

Am Morgen bringt mich Ghadeer zum Busbahnhof, mitten in Ramallah. Es ist ein Autoparkhaus, auf der eine Etage für die orangenen palästinensischen Linienbusse (für 7 Passagiere) reserviert ist. Junge Männer rufen den Zielort aus. So kann ich mich orientieren, wohin ich gehen muss. 

Der Fahrer mag es schnell. Ab und an muss ich meinen Atem anhalten. Die Strecke ist kurvig und gleicht manchmal einer Achterbahn. Zweimal kommen wir nahe an die Trennungsmauer heran. Die Sperranlage zwischen Israel und Westjordanland wurde 2003 angefangen zu errichten, um Selbstmordanschläge zu verhindern. Sie ist etwa 800 km lang, von denen etwa 30 km eine Mauer ist, an Stellen, die besonders zu schützen sind, also z.B. in Jerusalem. Seit der Errichtung der Sperranlage sind die Attentate deutlich zurückgegangen.


Nach einer Stunde Fahrt komme ich heil in Bethlehem an.

Mittwoch, 26. September 2012

Ramallah - Allahs Hügel

Gestern Abend sind wir völlig müde ins Bett gefallen. Ich habe tief und fest geschlafen, bis der Muezzin heute früh gegen 4:30 zum ersten Gebet ruft.

Ich drehe mich um, und versuche weiter zu schlafen. Gegen elf Uhr kommen wir endlich in die Gänge. Nach einem schönen Frühstück mit der Schwester von meiner Mitbewohnerin fahren wir in die Stadt. 

Zuerst an das Mausoleum für Yassir Arafat, der 2004 starb. Er ist ein Nationalheld, wenn auch nicht alle Palästinenser mit seinem Stil und seiner Politik einverstanden waren. 


Schon verrückt, wieviel Geld hier hineingepumpt wurde: 2 Millionen Dollar hat das Mausoleum gekostet, und jetzt soll noch ein Arafat-Museum errichtet werden für 2 Millionen Dollar.



Einige Eindrücke von der Ramallah, das leider kulturell und geschichtlich nicht so viel zu bieten hat.





















Wir gehen in den berühmtesten Eisladen der Stadt. Das Eis schmeckt ein wenig künstlich, aber gut, ich bin eingeladen und will nicht meckern. Ausserdem ist es schon lange her, dass ich Eis gegessen habe :-)

Ein Zebrastreifen-Schild, überklebt mit der Kaligraphie von Mohammed. Die Organisatoren rufen zum Boykott des Mohammed-Films auf und fordern dazu auf, seine Ehre zu verteidigen. Nähere Infos unter der Facebook-Seite.
Das Grab von Mahmoud Darwish, dem palästinensischen National-Dichter. Er hat zum friedlichen Aufstand gegen die israelische Besatzung aufgerufen aber auch für eine friedliche Existenz zwischen Palästinensern und Israelis geworben. Er selbst liebte eine Israelin. Die Beziehung durfte nie sein.

Blick auf einen Stadteil Ramallahs
unsere Schatten :-)













Am Abend gehe ich noch mit meiner Mitbewohnerin und einer Freundin weg, zum Shisha rauchen und reden. Die Freundin ist Sepndensammlerin bei SOS-Kinderdörfern. Es gibt eines in Bethlehem. Leider sind die Sponsoren in letzter Zeit nicht so spendierfreudig, aufgrund der Wirtschaftskrise.
Später frage ich noch meine Mitbewohnerin, wie es ihr mit dem Israelisch-Palästinensischen Konflikt geht. Sie möchte eine friedliche Lösung und ein unabhängiges Palästina. Sie möchte keine Gewalt mehr. Sie hat Freunde auch in Israel.

Dienstag, 25. September 2012

Hausarbeiten, Iran, Checkpoint Kalandia und Feiern

Endlich. Vor 10 Tagen eine Hausarbeit über 60 Seiten abgegeben: "The role of a nuclear non-proliferator in nuclear proliferation - German Dolphin submarines in the Israeli Navy and Germany´s role in Iran´s nuclear program" (weiss nicht so recht, wie man das auf Deutsch übersetzen soll), und diesen Sonntag hab ich noch eine 18-seitige abgegeben über Scheikh Shakhbut und Sheikh Zayed von Abu Dhabi, zwei Brüder, die nacheinander das Emirat Abu Dhabi beherrschten (zwischen den 20ern und 70ern, also die Zeit habe ich beleuchtet).

Nun habe ich mir ein paar Tage frei genommen, bevor ich mit anderen Hausarbeiten weiter mache. Meine zwei ehemaligen palästinensischen Mitbewohnerinnen haben mich zu sich eingeladen. Eine wohnt in Ramallah, nördlich von Jerusalem, die andere in Bethlehem. So machte ich mich gegen Mittag aus Tel Aviv los. Ab 2 lief in ganz Israel fast nichts mehr.

Ab heute Abend ist Jom Kippur - Versöhnungstag - bis morgen Abend. Gläubige Juden fasten 24 Stunden, benutzen nichts was Arbeit macht, also wie an Shabbat. Aber auch die nicht-Gläubigen nehmen es sehr ernst. Viele nutzen den "autofreien" Tag auch dazu, mit dem Rad oder den Rollerblades von Jerusalem runter nach Tel Aviv auf der Autobahn zu fahren.

In Jerusalem angekommen bin ich nochmal an die Westmauer gegangen. Die letzten Tage waren stressig, nicht nur wegen meinen Hausarbeiten. Die Lage zwischen dem Iran und Israel spitzt sich zu. In Israel wird es immer ruhiger, umsomehr fängt jetzt an Ahmedinejad sich aufzuspielen. Der Iran droht damit US-Basen im Perisch-Arabischen Golf anzugreifen, sollte Israel den Iran angreifen. Die EU3 drohen dem Iran neue Sanktionen an. Dann droht Ahmedinejad Israel mit einem Erstschlag, sollte Iran den Eindruck haben, Israel würde angreifen, aber Iran nimmt angeblich die Drohungen aus Israel nicht ernst. Dann meint A´jad noch, die Palästinenser sollten Israel wegwählen. Naja. Das Leben geht trotzdem weiter, auch in Israel. Gestern hatte ich ein Gespräch mit meinem Institutsdirektor. Währenddessen kam die Nachricht rein, das Ahmedinejad die seine Ansprache vor der UN Vollversammlung an Jom Kippur hält. Wir waren sprachlos. Einer im Internet traf es ganz gut: Culturally sensitive UN invites wannabe nuker Ahmedinejad to adress UN on Yom Kippur, holiest day on Jewish calendar. Gut zu wissen, dass Einer über allen Dingen steht.

In Jerusalem bin ich dann später an den arabischen Bahnhof, wo alle Busse fahren, wie jeden Tag. Nach einer halben Stunde musste der Bus den Checkpoint Kalandia passieren. Der Checkpoint ist für regelmäßige Ausschreitungen bekannt. Daher sind die Straßen (auf der palästinensischen Seite) auch so geleitet, dass mögliche Menschenaufmärsche etwas verteilt werden, Autos nicht direkt auf den Checkpoint zufahren können. Das ist die Situation, die ich mit meiner Kamera erfassen konnte. Die Stimmung war angespannt, Tränengasbomben wurden auch gezündet, wie ich an den Menschen draussen sah, die sich die Augen rieben und die Hand vor die Nase hielten.


Ich war anfangs nicht so sicher, hatte befürchtet, dass ich Ärger bekommen kann. Aber nichts dergleichen. Dennoch war ich erschrocken, als einer der wenigen (4-5) Steinwerfer einen Stein an meine Scheibe schoss. Auf einen palästinensischen Linienbus. Krass.

Kalandia ist ein sog. Flüchtlingslager, in dem die Nachkommen der palästinensischen Flüchtlinge von 1948 leben. Später erzählt mir meine Mitbewohnerin, dass es immer wieder passiert, dass junge Männer aus dem Flüchtlingslager Steine werfen gehen an den Checkpoint. Sie ist damit gar nicht einverstanden.

Am Abend wollen wir Politik und Weltgeschehen für einige Stunden hinter uns lassen. Wir gehen mit Freunden weg, in eine sehr schicke Bar über den Dächern von Ramallah. Eine Weile unterhalte ich mich mit einem Freund meiner Mitbewohnerin. Ich solle ihn "Sam" nenne, das sei einfacher. Ich bevorzuge seinen richtigen Namen. Er fragt mich, wie sicher ich mich fühlen würde, ob ich das erste Mal in Palästina sei. Er wolle das gerne von einer Europäerin wissen. Und was ich von der Israelisch-Palästinensischen Situation halte. Ich solle die Augen offen halten wenn ich in Palästina bin. Ich sage ihm, dass ich mich fast so sicher fühle wie in Israel. Er hat mich über mein Studium ausgefragt, wie die Israelis die Situation schildern. Er wolle Freiheit für die Palästinenser, sie sollten ein Recht auf Existenz haben. Die Israelis würden sie unterdrücken, misshandeln. Gelder würden nicht ausreichen. Ich antworte, dass wir alle am Tisch andere Menschen unterdrücken und misshandeln. Ich weise auf die Situation im Kongo hin, und darauf, dass die Palästinenser mit die höchste fremde Hilfe erhalten. Er antwortete darauf, dass das nur dazu da sei, um die Palästinenser mundtot zu machen. Andererseits, sagte ich, sei die Korruption auch sehr hoch. Ich versuche in eine andere Richtung zu lenken. Ich erwähne, dass die arabischen Brüder sie ja auch nur misbrauchen, wenn sie sagen, sie stünden auf der Seite der Palästinenser. Ich erzähle von Erlebnissen in meiner Klasse in Abu Dhabi, z.B. dass Emiratis Davidsterne an die Tafel gemalt haben, um Palästinenser zu ärgern. Sogar Ahmedinejad misbraucht den "Palästinensischen Freiheitskampf" für seine Zwecke. Mich regt das auf. Keiner weist darauf hin. Immer nur die bösen Israelis. Betretenes Schweigen und Zustimmung. Später erzählt mir meine Mitbewohnerin, dass "Sam" der Sohn eines bekannten palästinensischen Freiheitskämpfers, der lebenslänglich im Gefängnis ist. Er selbst war vier Jahre im Gefängnis. Schnell sind wir wieder bei den anderen beim Rumalbern, Snacks essen, Shots und Cocktails trinken. Im Hintegrund läuft amerikanische Pop-Musik. Wir sind neun junge Erwachsene: eine studiert in Griechenland, eine ist in Holland aufgewachsen, einer hat auf der MIT Uni studiert, meine Mitbewohnerin in Tel Aviv. In mir kommt die Frage hoch, wie unterdrückt die Palästinenser wirklich sind. Andererseits ist mir bewusst, dass die Freunde meiner Mitbewohnerin zu den reicheren Palästinensern gehören.

Montag, 3. September 2012

wann kommt der Krieg?

Diese Frage stellen sich viele Israelis (und ich mir auch).
Während Deutschland Sorgen plagen wie:
  • ist Ohrenstechen bei Kindern Körperverletzung? (Droht uns jetzt eine Welle von Klagen von Kindern gegen ihre Eltern?...)
  • droht uns die Altersarmut? 
  • wie komme ich von A nach B, wenn das Luftpersonal von Lufthansa streikt?
fragt man sich in Israel,
  • wann der Krieg kommt,
  • wie Israel seine Grenzen im Norden (Syrien ist ja bekannt, im Libanon wird es auch immer unruhiger, vielleicht kommt es von Syrischer Seite aus auch zum Einsatz von Chemiewaffen) und im Süden (Ägypten und Gaza-Streifen) schützt
  • ob man den Alleingang gegen den Iran wagen soll, oder warten soll, bis es zu spät ist, den Iran von seinen atomaren Ambitionen abzuhalten
  • manche gehen schon einen Schritt weiter und bereiten sich auf mögliche Szenarien vor, wie das ARD-Studio in Tel Aviv
Hiesige Zeitungen sind zur Zeit voller Gedankenspiele über einen möglichen bevorstehenden Krieg, der Iran verkündet welche technischen Fortschritte er in seinem Atomprogram erreicht hat, auch die Hisbollah droht Israel. Jeder gibt seine Meinung ab. Es schaut immer bedrohlicher aus. Das ist das Resultat des Versagen der Weltgemeinschaft. Und dem Versagen Deutschlands. Nicht nur in den letzten 10 Jahren, sondern heute. Auch die USA und Deutschland fallen Israel in den Rücken. So bleibt Netanjahu und Barak nur noch die Möglichkeit über einen Alleingang nachzudenken (wie das immer wieder laut ausposaunt wurde ist eine andere Geschichte). Es ist jedoch nicht das alleinige Problem der Israelis, wenn Iran Nuklearwaffen hat.

In meinen Recherchen für meine Hausarbeit (die ich noch überarbeiten muss, bevor ich sie versende) über Deutschlands Verhalten gegenüber Israel und dem Iran ist mir aufgefallen: Deutschland ist sehr zögerlich, sogar eine Bremse wenn es um Sanktionen gegen den Iran geht. 2002 kamen verstärkt Vermutungen auf (die ersten kamen schon in den 90ern auf), dass Iran gen Atomwaffen bastelt. Nach vielen gescheiterten Verhandlungen, wurden 2006 mit der UN Resolution die ersten Sanktionen verhängt. Deutschlands Export in den Iran blieb relativ unbeeindruckt. Es kam zu weiteren Sanktionen, Bankgeschäfte mit dem Iran sollten unterbunden werden (v.a. mit Sepah Bank, die den Iranischen Revolutionsgarden gehören, die 1/3 der Iranischen Wirtschaft "beherrschen", und für das Atomprogram des Iran verantwortlich sind), Visa sollten stark eingeschränkt werden, Dual-Use Güter (für zivile und militärische Nutzen) stark beschränkt werden.

2009 hat sich Deutschland gegen einen Vorschlag der Niederlande gewehrt, die Iranischen Revolutionsgarden auf die EU-Terrorliste zu setzen. Die Iranischen Revolutionsgarden sind für weltweiten Terror verantwortlich und sie unterdrücken Demokratiebewegungen im Iran (wie die von 2009). Deutschland begründete sein Verhalten damit, dass das für die deutsche Wirtschaft von Nachteil sein könnte.

Im November 2009 hat die Deutsch-Emiratische Industrie- und Handelskammer eine Arbeitsgruppe für den Iran ins Leben gerufen, um neue Wege zu finden den Deutsch-Iranischen Handel zu verbessern.


2010 vergab die deutsche Botschaft im Iran etwa 7000 Visa an Iranische Geschäftsleute, um in Deutschland an Industriemessen usw. teilzunehmen.

Im März 2011 wurde bekannt, das die BUNDESBANK (mit Einverständnis der Bundesregierung) ein Geschäft zwischen Indien und dem Iran vermittelt hat (also 1,2 Bill. Euro von Indien erhielt, um es an die Europäisch-Iranische Handelsbank, die Geschäfte für die o.g. Sepah Bank abwickelt weiterzuleiten; dafür erhielt Indien Öl vom Iran, Indien ist stark abhängig davon). Indien wollte das Geschäft nicht direkt abwickeln, aufgrund US-amerikanischen Druckes.

Zuvor, im Februar 2011 hatte Frankreich darauf gedrängt, die Europäisch-Iranische Handelsbank auf einen Index zu setzen, also in Europa zu verbieten Handel mit ihr zu treiben. Deutschland war dagegen. Es gäbe nicht genug Beweise für die Verwicklungen der Bank in das Atomprogram des Iran.

Wieso macht das Deutschland? Die wirtschaftlichen Interessen sind nicht der einzige Grund. Eine Erklärung ist, dass Deutschland einen Sonderweg gehen möchte, sich nicht mit dem Westen verbünden möchte. Eine zweite ist, dass Deutschland darauf hofft, im Falle eines Emporsteigen einer Atommacht Iran auf der richtigen Seite stehen will. Eine andere ist, dass Deutschlands Beziehungen zum Iran schon älter als 150 Jahre alt ist, und diese nicht abbrechen will.

Sieht man sich die Rhetorik von Guido Westerwelle und Angela Merkel an, so fällt mir eines auf: Deutschland ist zurückhaltend und vage. "Iran soll Zivile Nutzung von Kernenergie erlaubt sein. Und wir sollten weiter Gespräche führen."
Wie lange noch??? (Iran hat gelernt ein gewiefter Diplomat zu sein. Es war Jahrzehnte Spielball der Mächte und hat sich immer wieder durchgeschlängelt. Mit Erfolg.)

Das ist schon die letzten 20 (!) Jahre passiert. Mit dem Ergebnis, das der Iran weiterhin Uran anreichert, in Anlagen, die eindeutig nicht für die zivile Nutzung gedacht sind. Iran testet sein Raketensystem und bastelt an einem Zünder.

Deutschland sollte eine Vorreiterrolle spielen. In den 60ern und 70ern war es Deutschland, das führend war in der Nukleartechnologie, das es dann auch wetlweit exportiert hat. In der gleichen Zeit entwickelte sich die Anti-Atombewegung. Diese wurde durch Atomunfälle wie Chernobyl bestärkt. Und nun ist Deutschland die erste große Industrienation, die sich aus der Nuklearenergie zurückzieht.

Guido Westerwelle setzt sich auch versärkt für die Abschaffung von Nuklearwaffen ein. Unteranderem für die Entfernung von Atomwaffen (der NATO) von Deutschem Boden. Und hat Erfolg: 2010 wurde die Aufstellung des Nato-Schutzschirms und die Reduzierung von Atomwaffen in Westeuropa beschlossen. Auch in Deutschland. Seit diesem Jahr "steht" der Schutzschirm (also der vorübergehende, wird noch aufgestockt).

Und die USA? President Obama hat es nicht mal geschafft, in seinen 4 Jahren Presidentschaft nach Israel zu reisen. Das sagt schon viel. Die USA haben die bunkerbrechenden Bomben, um die Anlagen, die unterirdisch verlegt wurden (auch mit deutscher Hilfe; Firmen haben Bohrer, die besonders für hartes Gestein zu verwenden sind, an den Iran noch 2010 verkauft) zerstören zu können. Aber die USA kündigen nur an, dass sie ihre Militärübungen mit Israel stark reduzieren werden.

Wie würde jeder einzelne von uns reagieren, wenn er Staatschef eines Landes wäre, das ständig verbal bedroht wird, dem seine Existenz abgesprochen wird? Von einem Staat, der eindeutig an Atomwaffen bastelt? Und dessen engste Freunde sich sogar zurückziehen? Keinen besseren Rat haben, als den Alleingang nicht zu wagen?

Vor über einem Jahr wollte ich in den Iran reisen. Ich wollte dieses kulturell reiche, landschaftlich schöne, gesellschaftlich interessante Land sehen. Begleiten wollte mich keiner (ausser mein Vater). Aus Angst.

Und Angst haben die Israelis berechtigterweise. Und ich auch. Vor einem Krieg. Einen Krieg (richtigerweise muss es militärischer Angriff auf die Nuklearanlagen des Iran heissen, der einen Krieg zur Folge haben könnte), den der Westen scheut, und auf den Arabische Staaten insgeheim hoffen. Aus Angst vor einer zukünftigen Hegemonialmacht Iran.

Danke für´s zu Ende lesen

Eure Hanna, die diesen Post schreibt, um ein wenig Hintergründe aufzuzeigen, die Israel so handeln lassen wie es das gerade tut, v.a. wenn es so einen "Freund" wie Deutschland hat, das in den vergangenen Jahren den Iran so tatkräftig "unterstützt" hat. Die U-Boote, die Deutschland an Israel geliefert hat sind zwar möglicherweise mit Atomwaffen bestückt. Aber wie ich schon in vorigen Mails erläutert habe, dienen diese zum Schutz. Ein Blick auf die Landkarte hilft.

PS: jeder einzelne von uns, der gerne billig tanken geht, sollte sich darüber Gedanken machen, was passiert, wenn der Iran Hegemonialmacht im Persisch-Arabischen Golf und im Mittleren Osten wird ...