Dienstag, 30. August 2011

neue WG, neues Leben

Vor etwa einer Woche hatte ich die Schnauze voll: ich habe meine Sachen gepackt und bin ausgezogen. Meine 2 neuen Mitbewohnerinnen im Nachbarzimmer (Alexis und Rebecca, beide 21 Jahre alt, Jüdinnen, studieren hier "English as a second language", mit Eltern aus Argentinien und den USA bzw. mit Vorfahren aus Belgien und Ungarn) sind reflektiert, Rebecca ist auf eine Schule gegangen, wo Müll getrennt wurde (was ich jetzt hier auch eingeführt habe :-) ), und sie sind ruhig aber trotzdem kommunikativ. Gestern kam dann noch meine Zimmernachbarin (Jessica, aus den USA, mit dt. und ungar. Großeltern, wird hier Kurse in versch. Bereichen besuchen. Sie hat jetzt einige Zeit bei ihrem Freund in Ashdod, einer Stadt im Süden Israels gewohnt. Dort gingen immer wieder die Sirenen, Granaten oder kleineren Bomben schlugen ein.). Wir waren uns gleich einig, dass die Klimaanlage so selten wie möglich läuft. Das war mir sehr wichtig. Ich war echt erleichtert. Also nachts keine Geräuschkulisse.

Heute früh habe ich mich mit Rebecca, später mit Jessica unterhalten. Eine Frage haben mir beide gestellt: Welches Bild hat Israel in Deutschland? Und wie stark ist der Holocaust in Deutschland präsent. - Was sagt Ihr?

Beiden ist bewusst, dass Israel in der ganzen Welt ein immer schlechteres Bild hat. Es ist für sie schwer verständlich. Sie fühlen sich hier, wie angekommen. Es ist kein großes Ding, dass sie Juden sind. Es gehört dazu. Das habe ich schon von vielen gehört, die doch nicht hier aufgewachsen sind, dass sie sich hier wie zu Hause fühlen, wie angekommen.
Parallel zum immer schlechteren Bild Israels wächst der Antisemitismus, vom Anti-Israelismus (oder auch Anti-Zionismus) zu unterscheiden, wenn sie auch beide leider proportional zueinander sind. Auch bei uns, in Europa.

Wie sehen wir drei die Israelis? Offen, echt, authentisch, entspannt, manchmal zu offen und dadurch fühlt man sich im ersten Moment verletzt, großherzig, verrückt. Was uns nervt? Die horenden Preise, die fehlende Höflichkeit, dass man nie weiss, wann der nächste Bus kommt, wo man umsteigen muss, da es keine Busfahrpläne gibt. Und auf den Internetseiten findet man auch keine genauen Infos.

Und wie sehen die beiden die Amis? Oberflächlich, unecht, gestresst, immer beschäftigt, in ihrer eigenen Seifenblase lebend.

Ich freue mich auf die Zeit mit den Mädels.

Montag, 29. August 2011

die spinnen, die Franzosen



und dafür liebe ich sie, und dafür, dass sie ihre Sprache lieben :-)

weiter so, Deutschland

Spiegel-Artikel, die Kunst besteht allerdings im Energiesparen ;-) Wenn ich eine Empfehlung aussprechen darf, bezüglich eines Stromanbieters: EWS-Schönau

Donnerstag, 25. August 2011

die Schönen und die Biester

Alina (meine Klassenkameradin, macht einen Master in Middle Eastern Studies, ihre Mutter ist US-Amerikanerin, ihr Vater Israeli), Hannah (ihre Mitbewohnerin, US-Amerikanerin) und ich haben uns am Abend zu einem Freund (Ron) von Alina aufgemacht, der bei El-Al (der israelischen Fluggesellschaft) arbeitet. Es war eine kleine aber lustige Runde. Wir haben unser Hebräisch geübt, und die Kollegen von Ron haben uns erzählt, welch blöde Fragen manche Kunden stellen: leider fallen mir nur noch 2 ein:
  • Wie ist die Farbe des Flugzeuges?
  • "Darf ich mein Schießgewehr mit an Bord nehmen? Es ist ein altes Familienstück. Ich fliege nach England zum Jagen" Antwort: "Nein, Waffen sind nicht erlaubt. Sie können es aber gerne beim normalen Gepäck abgeben." Daraufhin sagt der arabische Israeli: "Sie Rassist." und legt auf.

Mittwoch, 24. August 2011

ein kurzer Ausflug nach Caesarea



Leider kurz, aber schön war unser Ausflug nach Caesarea, erbaut von Herodes dem Großen zu Ehren des Kaiser Augustus um die Zeitenwende, am Mittelmeer gelegen, mit einer riesigen Hafenanlage, die durch verschiedene Zeiten zerstört wurde. Caesarea hat eine reiche und bunte Geschichte hinter sich: Römer, Perser, Araber, Kreuzfahrer, Mamluken, Osmanen beherrschten diese Stadt. Heute kann man diese Geschichte nur noch erahnen, bzw. die Blüte der Stadt.












Unsere "Fremdenführerin" (Geschichtsstudentin) erzählte uns in einem nahezu perfekten Englisch die Geschicht von Caesarea anhand von drei Persönlichkeiten:
  • Herodes der Große (73-4 v.Chr.): König von Judäa, Samaria und Galiläa, Gründer der Stadt, war vom Glauben, aber nicht von der Volkszugehörigkeit, Jude. Zielstrebig, großzügig, aber auch grausam muss dieser Herrscher gewesen sein.
  • Rabbi Akkiba (etwa 50-135 n.Chr.): Begründer des rabbinischen Judentums, Unterstützer des Bar-Kochba-Aufstandes, starb den Märthyrer-Tod in Caesarea
  • Hannah Szenes (1921-1944): jüdisch-ungarische Widerstandskämpferin, die bei dem Versuch, bedrängte Juden aus Ungarn zu holen, von der ungarischen Polizei verhaftet und später ermordet wurde

Am Abend haben wir noch ein schönes Konzert, mit Klassikern der Rockmusik vor den Ruinen Caesareas gehört. Über uns der Sternenhimmel, hinter uns das Meer. Wunderbar.



Übrigens, wir haben, wie bei jedem Ausflug, einen Bodyguard, der uns auf Schritt und Tritt folgt: ein Soldat, der gleichzeitig Sanitäter ist. Erste-Hilfe-Rucksack und Gewehr oder Pistole gehören zu seiner Ausstattung. Er ist immer das Abschlusslicht unserer "Klein-Gruppe". So fühle ich mich sicher ;-)

Dienstag, 23. August 2011

five levels of pleasure

Israel ist der einzige jüdische Staat der Welt. Also dachte ich mir, um etwas über das Judentum zu lernen, mich meinen jüdischen (und auch nichtjüdischen) Kommilitonen anzuschliessen, und den Abend dem Vortrag eines Rabbis zu lauschen. Organisiert wird das ganze von dem jungen Rabbi Shmuel Rosenberg und seiner Frau Rivcky. Der Abend ist Teil des "Dollars for Learning"-Programs der Jeff Seidel Stiftung.

Heute Abend hat der junge Rabbi Avi (34 Jahre alt, in den USA ziemlich säkular aufgewachsen, dann mit etwa 20 auf Taglit-Birthright nach Israel gekommen, und hat sich dann zum orthodoxen Judentum bekehrt) über die fünf Ebenen des Vergnügens geredet. Vorher gab es ein tolles Abendessen, an dem sich etwa 50 Kommilitonen freuten. Zuerst ging es darum wie ich Vergnügen messe. Gibt es eine mathematische Formel? Kann man es überhaupt messen? Laut Rabbi Avi gibt es 3 Faktoren
  1. Vitalität
  2. Konterfei
  3. schwere Arbeit
Vergnügen kann ich daran messen, dass ich daraus Kraft schöpfe. Dafür ist es unwichtig, ob ich das Vergnügen wirklich erlebt habe, oder ob es sich (z.B. in Form eines Traumes) in meinem Kopf abgespielt hat. Leider gibt es dazu auch ein Konterfei, nämlich die Lust. Sie scheint mir Vergnügen zu bringen, aber in Wirklichkeit raubt sie mir Kraft. Wie wahr. Heute verwechseln wir allzuoft das eine mit dem anderen. Wir versuchen uns oft mit Dingen, die uns Lust machen, zu füllen, und erhoffen uns davon Kraft. Und doch gehen wir leer aus. Stellen wir uns einen Olympiasieger vor: wie ergeht es ihm, wenn er die Goldmedaille erhält? Er ist unheimlich stolz und froh, dass er gewonnen hat. Wir sehen aber nicht, wie hart er dafür arbeiten musste. Viele Jahre musste er neine sagen, wenn z.B. Freunde am Abend weg gingen, auf eine Party, wenn es andere Vergnügen gab, er musste verzichten, und das über Jahre. Aus dem Sieg wird er Kraft schöpfen.

Und die 5 Ebenen?
  • physisch
Das sind so die alltäglichen Dinge, die man erlebt, die einem Freude machen/ schenken, aus denen man Kraft schöpft.
  • Liebe/ Beziehungen
Die Beziehungen zu Menschen, die uns mögen, die uns lieben, geben uns Kraft. Aber auch nur die echten. Es gibt leider auch Beziehungen, die uns Kraft rauben.
  • Grund (auf Englisch "cause", also eher eine Sache , für die man (ein)steht)
Eine Sache, für die ich einstehe, für die ich kämpfen würde, gibt mir einen Auftrieb, wenn ich das Ziel erreicht habe.
  • Menschen aufbauen (das Konterfei dazu ist, Menschen zu töten, um Macht über sie zu gewinnen und sich dadurch als stark und überlegen zu fühlen)
Menschen, denen man helfen kann, ein selbständiges Leben zu führen, denen man z.B. durch einen Mikrokredit geholfen hat, sich auf die Beine zu stellen, gibt einem ungeheure Zufriedenheit.
  • ...
Und die ultimative Ebene? Die ultimative Quelle der Kraft? Welche ist Deine? Für mich ist sie Gott, der Schöpfer des Universums.

Vieles habe ich leider schon vergessen. Interessant und nachdenkenswert auf alle Fälle. Am Ende gab es noch eine kurze Diskussion. Ich bin gespannt auf den nächsten Abend.

Freitag, 19. August 2011

ein ungarischer Abend im Park

Fanni (mit der Familie als 9-jährige von Ungarn in die USA ausgewandert), Lauren (US-Amerikanerin) und ich haben uns am Abend auf den Weg in den Osten der Stadt gemacht. Da kein Bus kam, wollte Fanni ein Taxi nehmen. Ich bestand jedoch darauf, wie die meisten Israelis auch mit dem Bus zu fahren. Nach fast einer Stunde kamen wir endlich an der Umstiegshaltestelle an, denn zwischendurch hat der Busfahrer ein Auto angefahren. Hier wurde wild gestikuliert, die Stimmung war erhitzt. Und dann fragte noch eine alte Dame für uns, wo wir genau umsteigen müssten. An der Umstiegshaltestelle mussten wir warten. Fanni hatte nichts für das Piknik im Freien. Also ging sie zu dem Falafelladen hinter der Bushaltestelle und kaufte 8 Pitas. Wir warteten weiter. Also entschloss sich Fanni mit dem freundlichen jungen Mann, der langsam den Falfelladen schliessen wollte, zu reden. Er gab uns 2 Schüsseln frischen Tomaten-Gurken-Salat und eingelegte Auberginen und Pommes-Frites. Er fing sogar an, Falafel für uns zu fritieren. Leider kam in dem Moment unser Anschlussbus. Auf alle Fälle wollen wir nochmal zurück, um uns bei ihm zu bedanken. Solche Menschen machen das Leben schön.
Etwa 12 Ungarn freuten sich riesig, als ich sagte, dass ich Palacsinken dabei habe. Ratz-fatz waren sie alle. Ich unterhielt mich mit Eszter (ungarische Jüdin, vor einem Jahr nach Israel ausgewandert, hat unter anderem in Berlin Landschaftsarchitektur studiert) und Andrea (halb Ungarin, halb Deutsche, seit einem Jahr in Israel, ebenfalls Landschaftsarchitektin). Eszter singt in einem Chor. Anfang nächsten Jahres führen sie Stücke von Bach und Händel auf. Da muss ich unbedingt hin. Auch wenn es heisst, eine Stunde hin und eine Stunde zurück mit dem Zug, für 4 Stunden Probe am Samstag Abend.

Mittwoch, 17. August 2011

ein Tag voller Eindrücke in Jerusalem

Mitten in der Woche fuhren ca. 200 Studenten hoch nach Jerusalem. Gegen 9:00 machten wir unsere erste Rast mit Blick auf das Hadassah-Krankenhaus, berühmt für seine Marc Chagall Fenster. Nach unserem Frühstück fahren wir auf einen Aussichtspunkt mit Blick auf die israelische Sperranlage.

Im Anschluss ging es zum "Ammunition Hill", wo eine der schlimmsten und entscheidensten Kämpfe im Sechs-Tage-Krieg stattfand. Um ein Gefühl zu bekommen, unter welchen Umständen die Soldaten damals kämpften, mussten wir durch enge Schützengräbern. An drei Posten wurden jordanische Soldaten (drei von unserer "Kleingruppe") positioniert, die uns unverhoft überfielen. Wir können nur erahnen, was Krieg bedeutet. Welch ein Segen für uns.

Weiter ging es zum Ölberg, mit einem wunderbaren Blick auf Jerusalem. Es ist schon spannend: diese Stadt hat eine so vielschichtige, verwobene, komplexe und aufregende Geschichte. Wer mag sie begreifen? Wer mag sich anmaßen, hier Recht zu sprechen, zu sagen, was zu tun und was zu unterlassen ist? Wir bestimmt nicht.














Nach einem kurzen Spaziergang durch die Neustadt von Jerusalem gingen wir in eine Zeitmaschine, bzw. dem "Time Elevator". Hier wurde uns ein Abriss der Geschichte Jerusalems gezeigt: wir rasen in einem Aufzug durch die Geschichte, begegnen Abraham und Isaak, Moses, Jeremias, den Babyloniern, erblicken den 2. Tempel, sehen Jesus, erleben die Zerstreuung der Juden, sehen Helenas (Mutter von Kaiser Konstantin) Visionen für das Heilige Land, sehen, wie Mohammed den Islam gründet, sehen bewegende Bilder vom Sechs-Tage-Krieg, und hoffen auf eine friedliche Zukunft, und sind gespannt, wie die Geschichte weiter geschrieben wird. Untermalt wird das gaze durch Spezialeffekte: wir sitzen auf einer beweglichen Plattform, uns spritzt Wasser entgegen, als wir in einen Fluss stürzen. Auf alle Fälle ein Muss.

Fortsetzung folgt

Freitag, 12. August 2011

nur kein Neid

Bei uns strahlt jeden Tag die Sonne. So auch heute. Und ich habe es endlich geschafft, mein Fahrrad fahrtüchtig zu bekommen. Im Fahrradladen nebenan konnte mir nicht geholfen werden. Das Fahrrad ist zu alt. Sie haben nicht mehr die Ersatzteile dafür. Ich wollte nur, dass sie die Schraube festziehen, die den Lenker stabilisiert. Als Gegenstück gibt es eine Olive, die man sozusagen erwischen muss. Nö. Es führte kein Weg hin. Also habe ich gedacht, versuche ich es selbst mit Taschenmesser (mit Schraubenzieher dran, der in den Hexschraubenbolzen paßt). Und guck einer, es hat geklappt. Nun bin ich frei, zu fahren wann ich möchte. Und ich habe endlich wieder meinen Sport. Und so bin ich gleich mit Lauren (US-Amerikanerin) und Fanni (Ungarin, deren Familie in die USA ausgewandert ist, als sie 9 Jahre alt war) an den Strand. Also ich alleine mit dem Rad: es war ein tolles Gefühl, trotz der Hitze und der Schwüle. Allerdings musste ich mich erst mal zurecht finden. Es gibt echt tolle Fahrradwege, die aber manchmal abrupt enden. Und so muss ich mich in den chaotischen Straßenverkehr schmeißen. Natürlich nicht ohne Helm. Und der Strand? Ein Traum: Sonne pur, ein paar Wölkchen, und viele Sonnenanbeter. Am schönsten sind jedoch die Wellen. Urlaub pur.

zwischen Gauklern und Straßenkünstlern

Noch eine Weile waren wir "Deutschen" (9 Leute, davon ein Chinese, ein Franzose, eine Schweizerin, eine Polin, eine Ungarin, also mehrheitlich nicht-Deutsche :-) ) am Strand nach dem Sonnenuntergang. Ein Gläschen Wein und Pita. Die Athmosphäre ist eine ganz besondere. Im Rücken das pulsierende Leben, vor einem der in verschiedenen Rotfarben leuchtende Himmel, immer mehr Sterne leuchten am Himmel, der Mond scheint hell, Jaffa hell erleuchtet und das Rauschen des Meeres. Das Leben am Strand ist bunt: Araber, die sich zum Grillen treffen, orthodoxe Juden beim Photographieren der ganzen Familie, Menschen, die Capoeira "kämpfen". Am Eingang von Jaffa werden unsere Rucksäcke durchsucht. Hier bebt das Leben: ein Gauckler speit Feuer, Stelzenläufer begrüßen uns freundlich, meterlange Schmuckstände (viele schöne Ohrringe, Ketten, Ringe, Haarschmuck, ein Traum), eine Disco auf offener Straße, die Leute tanzen, ein Kürtös-Kalács (eine ungarische Spezialität, ein Hefeteigkuchen, der über Feuer karamelisiert wird)-Laden, second-hand-Möbelläden, ein Versteigerung auf offener Straße, und viiiiiiiiiiele Menschen. Das pure Leben eben.

Donnerstag, 11. August 2011

Bauhaus am Mittelmeer

Der Stadtteil am Rande von Tel Aviv, kurz vor Jaffa, gibt einem einen kleinen Einblick, wie die Menschen vor ca. 120 Jahren lebten. Eine Gruppe von Juden wollte nicht mehr im überfüllten Jaffa leben und siedelte sich so etwas nörlicher an, und nannte die Gegend Neve Tzedek (Oase der Gerechtigkeit). Gebaut wurde einstöckig, oder im Bauhausstil. Nach unserer Reiseführerin (ja, auch wir sind Touristen) zu urteilen, haben sich hier viele Liebesgeschichten abgespielt. Sie trug diese sehr lebhaft vor. Es war ein Spaß. In den 60er Jahren verfiel das Viertel. Inzwischen gehört es zu den schönsten und teuersten Ecken Tel Avivs: Cafés, Kulturhäuser, Kunstläden. Leider habe ich keine Bilder, es ist aber eine Besuch wert.

Dienstag, 9. August 2011

Tischa B´Av - der traurigste Tag in der jüdischen Geschichte

Endlich wieder ein freier Tag. Das der Tag so eine wichtige Bedeutung bei den Juden hat, war mir gar nicht bewusst. Am neunten Tag des Monats Av wird der Zerstörung des ersten und des zweiten Tempels gedacht. König Salomon hatte ca. 1000 v. Chr. ein festes Heiligtum für die Bundeslade erbauen lassen. Bis dahin hatten die Juden letztere im Tabernakel (einer Art Zelt) stehen. Ca. 400 Jahre nach seiner Erbauung wurde der Tempel durch die Babylonier zerstört. Nur ca. 50 Jahre später wurde der 2. Tempel erbaut und etwa 70 n. Chr. durch die Römer zerstört. Danach begann die Zerstreuung der Juden in die ganze Welt. Im 7. Jhdt. bauten die Moslems den Felsendom an der Stelle, wo einmal DAS Heiligtum der Juden stand. Die Hoffnung auf die Wiedererbauung des Tempels ist ein wichtiges Element im jüdischen Glauben. Dieser soll laut Kabbalah durch den Messiah wiedererbaut werden, der an Tischa B´Av erscheinen soll.

Sonntag, 7. August 2011

Shabbat in Jerusalem

In der Nacht wurde ich einmal durch einen Muezzin (der wohl sich in der Zeit getäuscht hat) geweckt. Es wehte ein frischer angenehmer Wind. Morgens um 5:30 leutete die erste Kirchenglocke. Schon verrückt hier. Die Sonne war kurz vorm Aufgehen. Aber ich habe den Sonnenaufgang an sich dann verschlafen (sonst wäre mein Blick so ähnlich wie auf dem Photo nebenan). Gegen 9:00 haben wir uns dann von unserem Nachtlager erhoben. Ich bin schnell in eine Bäckerei, habe noch einige Pitas gekauft, in einem kleinen Supermark habe ich dann noch Hummus und Nutella geholt. Ein einfaches aber reichhaltiges Frühstück. Nach einem längeren Bummel durch die Altstadt (an vielen Ecken sieht man Israelische Polizisten, merklich mehr als vor vier Jahren; ob es mit Ramadan zusammenhängt? ich weiss es nicht), und einem kurzen Abstecher im Österreichischen Hospiz (eine Herberge, so sauber, so ordentlich, so kultiviert, mit einem österreichischen Café) sind wir auf den Ölberg. Das ist ein kurzer aber anstrengender Aufstieg, vor allem mitten am Tag. Aber der Ausblick hat alle Mühen belohnt. Die beiden Mädels wollten noch auf den Tempelberg. Aber zuerst haben wir uns noch in einem "unterirdischen" Restaurant neben der Westmauer was gutes gegönnt. Am Freitag und Samstag haben Nicht-Moslems keinen Zugang zum Tempelberg. Das war mir auch neu. Ich bin eh nicht so erpicht, dorthin zu gehen. Dann sind wir noch etwas im jüdischen Viertel herumgebummelt, vorbei an der Menorah, die für den 3. Tempel (nachdem beide Tempel zersört wurden, hoffen die Juden auf den Wiederaufbau des 3. Tempels durch den Messiah) schon da ist. Dann sind wir noch in die Grabeskriche: 100 von Pilgern haben wir angetroffen. Sie küssten den Salbungsstein Jesu, viele standen Schlange, um in die Grabeskapelle zu kommen, andere haben Bündel von Kerzen (DM ca. 3mm) an einer (anscheinend besonderen) Kerze angezündet und wieder ausgemacht. Verstehe das nicht. Was mir bei der Beobachtung des Geschehens aufgefallen ist: wir Menschen sehenen uns nach Dingen, an denen wir uns festhalten können, an denen wir unseren Glauben festmachen können. Gut, dass Gott unsichtbar (in einer höheren Dimension) ist, so ist er überall. Ist das nicht genial? Gott ist ein Mathematiker und Physiker, u.v.m. :-)
Wir haben uns noch bei unseren Millionärinnen gestärkt, haben noch ein paar Postkarten geschrieben, und sind dann Richtung Busbahnhof gelaufen. Eine Stunde, durch eine Neu-Stadt, die wie ausgestorben wirkte. Selten sahen wir Familien vorbei laufen. Und welch Überraschung: die orthodoxen Ehemänner schoben die Kinderwägen. Welche Vorstellung haben wir eigentlich von anderen Kulturen. Auf den Straßen fuhr kein Auto. Gegen 19 Uhr waren wir am Bahnhof. Wir haben noch die neue Straßenbahnbrücke bewundert, rumgealbert, den Sonnenuntergang bestaunt, bis endlich kurz nach 20 Uhr das Shabbatende verkündet wurde. Vor den Türen standen schon Schlangen von Menschen, die darauf warteten, dass sie durch den Metalldetektor schreiten dürfen und das Gepäck durchleuchtet wird. Gegen 23 Uhr waren wir dann im Studentenwohnheim. Es war ein erlebnisreiches und schönes Wochenende.

Samstag, 6. August 2011

Shabbatfeier mit 100 Menschen auf 40 qm



Friede sei mit Euch, dienende Engel, Boten des Höchsten,
des Obersten König der Könige, der Heilige, gesegnet sei Er.

Kommt in Frieden, Boten des Friedens, Boten des Höchsten,

des Obersten König der Könige, der Heilige, gesegnet sei Er.

Segnet mich mit Frieden, Boten des Friedens, Boten des Höchsten,

des Obersten König der Könige, der Heilige, gesegnet sei Er.

Möge Eure Abreise in Frieden sein, Boten des Friedens, Boten des Höchsten,

des Obersten König der Könige, der Heilige, gesegnet sei Er.

Shabbat beginnt Freitag Abend. Das Abendmahl ist ein Fest. In Jerusalem laden Mordechai und Henny Machlis seit über 20 Jahren jeden zum Shabbatessen ein. Egal ob reich, arm, Jude, nicht-Jude, verheiratet, alleinstehend, Frau, Mann. Selbst haben sie 14 Kinder.
Rabbi Mordechai begrüßt jeden persönlich an der Haustür. Er heisst uns in seinem Haus herzlich willkommen. Die Wohnzimmerwände sind bis unter die Decke mit Büchern vollgestellt. Henny zeigt uns Frauen unseren Platz an den Frauentischen. Dicht gedrängt sitzen wir beeinander. Der Tisch ist mit Plastikgeschirr und -besteck gedeckt, Cola-, Sprite- und Wasserflaschen. Nachdem alle da sind drückt Rabbi Mordechai seine Freude über das Kommen aller Gäste aus. Dann wird gesungen. An jedem Tisch liegen Liederbücher aus, mit Texten auf Hebräisch und Englisch. Die Texte drücken die Ehrfurcht und Dankbarkeit vor Gott aus, aber auch die Liebe, die Er zu Seinem Volk hat. Es ist ein fröhliches Singen. Dann wird zusammen im Stehen der Kiddusch getrunken. Im Anschluss werden große frische Challa-Brote in Scheiben geschnitten und verteilt. Dazu gibt es Hummus, Mören-Salat, Knoblauch-Tomaten und Coleslaw-Salat. Dann gab es noch "gefilte Fisch". Rabbi Mordechai machte eine Art Andacht über den Torah-Abschnitt der Woche. 5. Buch Mose 1,1 - 3,22. Es geht um die Einnahme des Gelobten Landes nach 40 Jahren Wanderung in der Wüste. Und so verglich Rabbi Mordechai eines jeden Leben mit einer Wüstenwanderung, in der jeder von uns seine Wüste und sein gelobtes Land hat. Das wichtigste sei, dass wir wissen dürfen, dass Gott immer bei uns ist. Dann hat auch seine Frau Henny eine kurze Andacht gehalten. Zum Schluss durfte noch jeder der wollte etwas sagen, was ihm gerade einfällt. Während dessen gab es noch Kuchen. Einfach ein tolles Abendessen, für umsonst. Nach fast drei Stunden, gegen Mitternacht, brachen wir dann auf. Ich fühlte mich an dem Abend reich beschenkt.
Nach fast einer Stunde Spazieren waren wir endlich wieder in unserer Jugendherberge. Wir fielen müde aber zufrieden ins Bett, bzw. auf unsere zwei Matratzen, da sonst alles voll war.

Freitag, 5. August 2011

über den Dächern von Jerusalem

Im Internet hatte ich eine Jugendherberge ausfindig gemacht: Übernachten auf dem Dach, mitten in der Altstadt, mit Blick auf den Tempelberg und den Ölberg. Vorher mussten wir uns noch durch die engen Gassen, gesäumt mit bunten Läden, voller Menschen (orthodoxe Juden, Moslems, Touristen, liberalen) und Düfte von Tee, Gewürzen und Weihrauch (manche von Euch wissen ja, das ich das sehr gerne bei mir zu Hause angezündet habe, ein wunderbarer Duft, den ich mit einem der schönsten Hotels der Welt, dem Al-Bustan im Oman, verbinde) durchschlagen. Die Jugendherberge war genauso verwinkelt. Um unseren Hunger zu stillen, haben wir uns gleich in der Nähe einen kleinen Imbiss von zwei älteren Damen ausgesucht und Falafel gegessen. Wir haben uns vorgestellt, das die Damen in Wirklichkeit bestimmt Millionärinnen sind, und jetzt auf ihre alten Tage dieses Lädchen geöffnet haben. Es war ein Genuss, der einen beim Petersilienzupfen und der anderen beim gemütlichen und liebevollen Zubereiten der Falafelbällchen zuzusehen.


























Später sind wir noch an die West-Mauer, "Ha´Kotel". Ich liebe diesen Ort. Er strahlt etwas von tiefen Frieden aus. Hier wird mir bewusst, wie groß Gott ist. Er steht über allen Dingen, und wenn die Welt auch auseinander zu brechen droht, so bleibt Er doch, und am Ende wird er den Sieg haben. Und oft muss ich weinen, denn ich bin überwältigt von der Geschichte: Gott hat Sein Volk gebeten, einen Ort zu bauen, ein Heiligtum zu errichten, wo Er mitten unter ihnen wohnt. Dieser für die Juden heiligste Ort wurde zerstört, heute stehen zwei Heiligtümer eines fremden Gottes drauf. Und doch lässt sich Gott nicht an ein Heiligtum binden. Auch wenn es zersört ist, so ist Er doch immer da.

Yad Vashem - Trauer mit Aussicht auf Hoffnung

Laura (Mathematikstudentin aus Konstanz), Mariella (Abiturientin) und ich haben uns früh morgens nach Jerusalem aufgemacht. Schon lange habe ich mich danach gesehnt. Wir hatten uns kein festes Program vorgenommen. Jede hat gesagt, was sie gerne sehen möchte, und wir haben geguckt, wie wir es am besten einordnen. Unser erstes Ziel war Yad Vashem, die Holocaust-Gedenkstätte. Halbunterirdisch liegen die Räume, in denen das Leben der Juden vor der Shoah, während des Zweiten Weltkrieges und die Rückkehr in das Land ihrer Vorväter in Bild und Ton geschildert wird.
Es ist erschütternd, was Menschen anderen Menschen antun können, wie sie sie erniedrigen, brutal verfolgen, unmenschlich unterwerfen, und am Ende ermorden können. Heute passiert es immer noch, im Namen des Kapitalismus, den wir mit unterstützen. Der Unterschied ist, dass die Juden wegen ihrer Volkszugehörigkeit und ihres Glaubens verfolgt wurden.
Ich kann jedem den Besuch von Yad Vashem empfehlen: es ist bedrückend, erschütternd und unbegreiflich, was Menschen anderen Menschen antun können. Am Ende steht dennoch die Hoffnung auf ein Leben in Frieden im eigenen Land. Gott hat es Seinem Volk versprochen: Und ich will meinen Geist in euch geben, daß ihr wieder leben sollt, und will euch in euer Land setzen, und sollt erfahren, daß ich der HERR bin. Ich rede es und tue es auch, spricht der HERR. (Hezekiel 37, 14)

Bild 1-5 (von der Yad Vashem Homepage): Holocaust Geschichts-Museum, Halle der Namen, Ausblick auf Jerusalem, Garten der "Gerechten der Nationen", ewige Flamme in der Halle der Erinnerung
Bild 6 (von mir :-) ): Ausgang

Donnerstag, 4. August 2011

der arabische Frühling nach über einem halben Jahr

was wird weiter passieren? War die Entscheidung des Westens richtig, Mubarak zum Sturz zu zwingen? Jetzt ist das Militärregime an der Macht, und die geplanten Wahlen in weite ferne gerückt. Und in Syrien? Wir gucken nur zu.
die Tagesthemen vom 03.08.2011

Mittwoch, 3. August 2011

ein bunte Mischung von leckerem Essen

Der Sprachkurs ist eine wirkliche Herausforderung. Aber wie ist das? Am dritten Tag scheinen die meisten Dinge am schwierigsten. Gut, dass es nicht nur mir so geht.

Das Potluck-Dinner war vielfältiger, als ich erwartet hatte. Trotz dessen, dass wir nur ca. 40 Leute waren, und fast alle Deutschen (darunter noch zwei mit israelischen Vätern, eine mit 3 Großeltern aus Polen, Ungarn und Südamerika, eine mit einem Walisischen Vater) dabei waren, gab es eine Vielfalt an Essen: Taccos, Sandwiches, Schnittchen, 2x dt. Kartoffelsalat, Hummus, Apfelküchle, chinesisches Essen, Walisisches Gebäck, gebackene Aubergine, Palatschinken mit Schokolade und Aprikosenmarmelade, u.v.m. Wir haben uns in einen wunderbaren Park gleich hinter dem Wohnheim niedergelassen.

In unserer Gruppe (Andrew, macht jetzt seinen Master hier, hat in den USA u.a. international affairs studiert, geht mit mir in eine Hebräisch-Klasse; Paul, US-Amerikaner; David, US-Amerikaner; Laura, Mathematikstudentin aus Deutschland; Mariella, Abiturientin mit den Großeltern aus vier versch. Ländern; und ich) haben wir uns über den Holokaust, US-amerikanische Politik, die Aufstände in den arabischen Ländern, moderne Sklaverei, die Dummheit vieler US-Amerikaner, die Verschuldung der USA und Bill Clinton unterhalten. Es war eine sehr aufschlussreiche Unterhaltung. So langsam habe ich den Eindruck, dass ich hier auch eine andere Seite der US-Amerikaner kennenlernen kann: reflektierte, differenzierte und an anderen Kultuern interessierte Menschen. Schön, wenn Vorurteile beiseite gelegt werden können.

Montag, 1. August 2011

alles gute ist weiblich

zumindest auf Ivrid :-) so wie die Sonne, die Pizza, das Eis, und alles was nicht so schön ist, wie Regen und Schnee, ist männlich. Tut mir Leid Jungs :-)
Heute hat mein Kopf echt gequalmt. Der Unterricht hat wirklich ein ganz schönes Tempo: ich, Du (weibl./männl.), er/sie, wir, Ihr (w./m.), sie (w./m.). Und dann noch einige Verben und Vokabeln. Gedruckte und geschriebene Buchstaben sind auch noch manchmal Welten voneinander entfernt. Konsonanten gibt es häufig gar nicht. Puh. Aber es macht noch Spaß. Meine Klassennachbarin ist auch Ungarin. Da übersetzen wir manches auch noch auf Ungarisch, wenn wir uns gegenseitig etwas erklären. Dann fragen noch manchmal die anderen Mitschüler auf Englisch, was ein Wort bedeutet. Das ist schon ein Wirr-Warr. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass wir uns mehr merken können, dadurch dass auch so viel gelacht wird. Z.B. fragt mich Zack, ein ziemlich lauter US-amerikanischer Jude, der hier seine Grenzen ausloten will (wie hoch sind die Geldstrafen für Vergehen im Wohnheim, gibt es eine Akte, die zum Abschluss an die Heimatuni gesendet wird, usw.), wieso ich so groß bin (die anderen Mädchen sind durchschnittlich einen Kopf kleiner als ich, das ist schon eine andere Perspektive :-) . Da antworte ich ihm, das sind bestimmt meine deutschen Gene. Darüber konnte er herzhaft lachen. Insgesamt ist es eine ziemlich lockere Stimmung und es macht Spaß, zu lernen. Auch wenn ich mich jeden Abend mind. nochmal anderthalb Stunden zum Lernen und Hausaufgaben machen hinsetzen muss.