Donnerstag, 8. Februar 2007

von Leipzig, über Margetshöchheim und Muscat, nach Katmandu

Meine Lieblings-Mitbewohnerin Benita ließ mich nicht einfach so gehen. Sie hat mir eine Überraschungsfeier organisiert. Und ohne, dass ich was gemerkt hätte. Zwei Wochen lang bat sie mich, den Abend frei zu halten, da sie was mit mir unternehmen will. Die Feier war sehr schön, und ich erinnere mich gerne dran. Das war knapp eine Woche vor meinem Flug.
Den Dienstag hatte ich mir für den Umzug aus Leipzig nach Margetshöchheim freigehalten. Gegen 11 wollte ich eigentlich aus Leipzig fortfahren. Allerdings kam ich schlussendlich gegen 15:30 von Leipzig weg. Ich hatte noch Krims-Krams einzupacken, das Zimmer noch etwas zu streichen, musste noch mal in die Uni. Und dann habe ich mit Benita noch einen Toast mit Mezzo-Mix und Fanta ausgesprochen. Nach 3 ½ Stunden Fahrt war ich endlich daheim. Beim Auspacken haben mir die Nachbarjungs geholfen. Dann habe ich noch das Auto zurückgebracht, und war schlussendlich 24:30 daheim, da ich den eigentlichen Bus in der Anschlussstraßenbahn verschlafen hatte.
Mittwoch habe ich ausgeschlafen, bis 10 Uhr. Am Abend habe ich mein Großmutter und Mutter von Bahnhof abgeholt. Sie waren auf der feierlichen Ausgabe der Zeugnisse in Warwick gewesen. Mein Bruder Samuel hatte letzten Herbst dort seinen Master in Volkswirtschaft gemacht. Abends habe ich mich noch mit einer guten Freundin getroffen.
Zum Packen bin ich erst am Donnertag-Nachmittag gekommen. Vorher haben wir uns noch schnell erkundigt wegen Unfall- und Krankenversicherung. Am Abend hat mir meine Mutter schön Fenchel-Tee gegeben. Das hat auch geholfen. In der Nacht konnte ich sehr gut schlafen.
Gegen Freitag Mittag ging mein Flug nach Muskat. 22 Uhr dortiger Zeit war ich da. Schnell das Visum beschafft, noch eine Telefonkarte gekauft, um meiner Mutter mitzuteilen, dass ich gut angekommen bin, dann ein Taxi geschnappt und den Taxifahrer gebeten, dass er mich in mein Hotel fahren möge. Allerdings schien er es nicht zu kennen. Ich habe ihm auch gesagt, wo es ist, aber er kannte es immer noch nicht. Also fuhren wir ersteinmal in die Stadt. Dort ließ er mich an der Corniche raus. Von dort aus fing ich an zu laufen, mit meinem 30 Kg schweren Koffer (den ich ziehen konnte), Winterklamotten und 25°C Temperatur. Mir kam ein Inder entgegen, der mir freundlich seine Hilfe anbot. Ich rief im Hotel an, ließ ihm erklären, wo das Hotel liegt, und er war sogar bereit, mich hinzufahren. Aber das konnte ich nicht annehmen. Also nahm ich mir ein Taxi, der Inder erklärte dem Taxifahrer noch schnell, wo das Hotel liegt, und wir fuhren los. Dann kamen wir an einem Hotel an, das so hies, wie der Stadtteil, in dem mein Hotel war, und ich hatte es schon verwechselt, und ich bat den Fahrer zu stoppen. Allerdings war es das falsche. Ich fragte, wo meins sei. Der Inder an der Rezeption erklärte es dem nächsten Taxifahrer, den ich anhielt, und der fuhr dann los. Aber wir kamen wieder am falschen raus. Wir riefen das Hotel an. Und nun ratet mal, wo wir landeten: gegenüber dem Hotel, wo ich zuerst falsch ausstieg. Ich war jedenfalls heilfroh, nach Mitternacht ins Bett zu fallen. Allerdings schien mir das Bettlacken nicht das sauberste, und ich legte mir meinen Kittel hin und ein Kleid. Mein Kaschmeer Schal war meine Decke. Denn das war eigentlich eine Wolldecke, die mir nicht ganz sauber schien. Am nächsten Morgen gegen 8 Uhr lief ich Richtung Corniche am Meer, dort, wo es am schönsten ist, und wo auch der Souq liegt. Es war wunderschön. Der Souq ist ein einziges Labyrinth, wo man fast alles bekommt: Weihrauch, Seife, Tee, Cola, Gold- und Silberschmuck, Souvenirs, Postkarten, Gewürze wie Muskat und Ingwer, Teppiche, Plastikspielzeug made in China, Kleider, Fruchtsäfte, und fast das wichtigste für mich, Schawarma (Fladenbrot gefüllt mit Hühnerfleisch und Gemüse und Salat, aber kein Döner). Die könnte ich immer essen. Danach bin ich in das eigentliche Muskat. Dort steht der Regierungspalast des Sultan Qaboos von Oman. Seit einem Jahr ist ein großer Platz davor, unteranderem mit Marmorplatten, die ein Inder gerade mit einer Poliermaschine säuberte. Vier andere Inder putzten die Laternen blitzsauber. Jedenfalls bin ich sogar zweimal am Palast gewesen, aber kein einziges Mal habe ich den Sultan gesehen. Ich bin noch etwas in der Gegend herum gelaufen, wo andere Regierungsgebäude liegen. Dann habe ich mich noch in ein Museum verirrt, was aber sehr schön die Geschichte, die Entwicklung und die uralte Kultur dieses Landes zeigte. Der Oman hat ca. 2,5 Millionen Einwohner. Die Araber kommen vorwiegend aus dem Jemen. Bei vielen erkennt man afrikanische oder indische Wurzeln. Viele der Gastarbeiter kommen aus Indien oder Pakistan. Sie machen ca. 15% aus. Als nächstes wollte ich eigentlich in das Al-Bustan Hotel. Das Hotel ist wie ein Märchen-Schloss aus 1001-Nacht. Überall duftet es nach Weihrauch. Der Taxifahrer bei dem ich einstieg sagte mir, dass es saubergemacht wird. Ich dachte, er kann mich sowieso hinfahren, da ich auch an den Strand wollte. Als wir ankamen verstand ich, was der Taxifahrer meinte. Es wurde renoviert, da demnächst die Präsidenten der Golfstaaten sich dort treffen werden. Wirklich schade. Zurück an der Corniche gegen 2 Uhr gingen alle Rollläden runter. Die Mittagspause begann. Also suchte ich mir ein Stückchen Sandstrand. Der Blick auf den indischen Ozean, das Hajar-Gebirge im Rücken, die sommerlichen Temperaturen von 25-28°C und der Ruf des Muezzins aus den Lautsprechern der nächsten Moschee machten das Gefühl in der arabischen Welt wieder zu sein und im Urlaub perfekt. Ich habe die 2 Stunden dort wirklich genossen. Am Abend bin ich noch mal in den Souq. Dann ging das richtige Leben los. Die mehrheitlich indischen Händler priesen ihre Ware an, überall wurde gefeilscht, und ab und zu sah man Weiße. Ich habe gemerkt, wie nahe mir diese Welt ist. Am liebsten wäre ich da geblieben. Den nächsten Morgen habe ich noch ein paar Karten geschrieben. Dabei sprach mich ein Taxifahrer an. Später zeigte er mir noch einen schönen Blick auf Muskat. Der Sultanspalast, die Regierungsgebäude, die weißen flachen Wohnhäuser, Gärten, begrünte Strassen und das alles umgeben zu ¾ vom Gebirge und mit Blick aufs Meer. Zu der großen Moschee fuhr er mich noch hin. Aber die hatte gerade geschlossen. Diese Moschee dürfen auch Nicht-Moslems betreten. Dann ging es Richtung Flughafen und ich wünschte mir, ich hätte länger bleiben können, noch weiter ins Landesinnere fahren. Die Festungen sehen, das Gebirge, die Wadis (ausgetrocknete Flussbetten), die Oasen, die Steinwüste. Aber dafür hätte ich bestimmt 2 Wochen gebraucht. Ein nächstes Mal.

Montag, 5. Februar 2007

ein Kurztrip von 36 Stunden nach Muskat

Auf dem Flug nach Nepal blieb ich knapp zwei Tage in Muskat, der Hauptstadt des Omans. Seit einigen Jahren hatte ich mich danach gesehnt, dieses faszinierende Morgenland wieder zu sehen. Als ich mitten in der Nacht omanischen Boden betrat, fühlte ich mich frei. Endlich wieder Luft des Mittleren Ostens atmen.

Sofort kamen mir Bilder ins Gedächtnis: alte Burgen, Korallenriffe an der omanischen Küste, die kaum Touristen gesehen hatte, Wüste, in der man nur das Säuseln des Windes hörte, Wadis (ausgetrocknete Flussbetten), Oasen durchquert von Faladj-Kanälen, Weihrauchduft im märchenhaften Al-Bustan-Hotel, der Ruf des Muezzins zum Gebet, Frauen mit tiefschwarzen Augen hinter geheimnisvollen Masken, Fischer auf ihren Dhaus, Kamelmärkte und der labyrinthartige Souq von Muskat.

Und nun stand ich auf dem Flughafen, holte mir ein Visum, rief schnell noch meine Mutter an, dass ich gut angekommen war. Sofort war ich umzingelt von omanischen Taxifahrern. In ihren weißen Dischdaschas (knöchellanges weißes Gewand) und bunten Kummas (buntbestickte Kappe) oder Turbanen sehen sie richtig orientalisch aus. Viel eher würde da ein Kamel zu ihnen passen.

Die Suche nach dem Hotel gestaltete sich etwas abenteuerlich. Der Taxifahrer kannte es nicht. Also ließ ich mich an der Strandpromenade absetzen, da ich das Hotel dort vermutete. 30 Kilo zog ich hinter mir her, die wenigen Omanis in den Cafés schauten mir verdutzt hinterher. Ein Inder kam auf mich zu, erkundigte sich, was ich suche. Leider konnte er mir auch nicht helfen. Im nächsten Hotel war meine Unterkunft auch unbekannt. Wie ich dann gegen 1 Uhr doch ankam, weiß ich gar nicht mehr genau. Als ich mein Zimmer betrat, war ich etwas erschrocken. Einerseits war es mit einer Klimaanlage, einem Kühlschrank und einem Fernseher ausgestattet, andererseits wünschte ich mir, ich hätte meine Bettwäsche dabei gehabt. Über das Bettlacken legte ich meinen Kittel und ein Kleid, die Wolldecke legte ich auf den Stuhl, und nahm meinen Kaschmirschal als Deckenersatz. Ich war froh, gut angekommen zu sein. Am Morgen wurde mir klar, wieso der Taxifahrer und der Rezeptionist das Hotel nicht kannten. Die Gäste waren fast ausschließlich indische Arbeiter. Dementsprechend günstig auch für europäische Studenten;-)

Um 8 Uhr habe ich mich auf den 6 km langen Weg zum Palast des Sultans gemacht. Immer an der Strandpromenade entlang, die unter anderem von Handelshäusern aus dem 19. Jahrhundert gesäumt wird. Mit Spitzbogenfenstern, Balkonen, Gesimsen und kunstvollen Gittern, aufwendig dekoriert, weißgetüncht, mit indischen und pakistanischen Einflüssen. Dahinter ein typisch orientalisch-islamisches enges Gassengewirr mit vielen Sackgassen. Immer wieder sieht man die Minarette der Moscheen. Auf dem Weg ist eine portugiesische Festung zu sehen, künstliche Wasserfälle und der Strand. Aus der eigentlichen Altstadt Muskats ist die Regierungsstadt des Omans geworden. Sie ist im orientalischem Stil (mit Stuckaturen verblendeten Spitzbogenfenstern, reich mit Schnitzwerk verziertem Holz) gehalten. Sehr selten begegnet man Omanis. Schade.

Am Nachmittag setzte ich mich an den Sandstrand, mit Blick auf den indischen Ozean. Das Hajar-Gebirge im Rücken, die sommerlichen Temperaturen von 25-28°C und die Wellen machten das Urlaubsgefühl perfekt. Ich sah den Wellen zu, baute eine Sandburg. In der Ferne hörte ich mit Wehmut aber auch Freude den Ruf des Muezzins. In Abu Dhabi war es ziemlich das einzige, was der modernen Stadt ein orientalisches Flair gab.

Abends ging ich dann in das Gewirr des Souqs. Die schwüle Luft war durchsetzt mit Gewürzdüften, Parfum und Weihrauch. Die mehrheitlich indischen Händler preisen ihre Ware an, überall wird gefeilscht. Vor einem Goldgeschäft wartet ein junger Omani geduldig, bis er den Schmuck bezahlen darf, den seine Frau gerade aussucht. In einer Nische sitzen alte Männer bei einer Tasse Tee und Schach. Viele Familien nutzen den kühleren Abend zum Einkauf. Kinder werden angelockt von chinesischem ferngesteuertem Spielzeug. Touristen wühlen durch Silberschmuck und Körbe mit Münzen, angeblich auch aus Maria Theresias Zeiten. An der Strandpromenade haben die Restaurants geöffnet. Nach dem eindrucksvollen und laufreichen Tag freute ich mich über die Schawarmas (so ähnlich wie Döner, aber viel leckerer :-) und den frisch gepressten Fruchtsaft. Dabei beobachtete ich Touristen und schmunzelte: sie tragen Unterwäsche (bzw. Shorts und Boxer-Shirts, die bei den Omanis als Unterwäsche dienen). Allerdings machte es mich auch traurig, welches Bild sie dabei abgeben. Spät am Abend fiel ich glücklich ins Bett. Ich hatte den Eindruck, bisschen aufgetankt zu haben, einen kurzen Urlaub gehabt zu haben.

Am nächsten Morgen beobachtete ich noch mal das Leben an der Strandpromenade und schrieb Postkarten. Dabei wurde ich von einem Taxifahrer angesprochen. Er bot mir an, mich an eine Stelle zu fahren, wo man einen besonders schönen Blick über die Stadt hat. Danach fuhren wir zu der großen Moschee, die allerdings zu der Zeit für Nicht-Moslems geschlossen war. So fuhr er mich zum Flughafen. Schade, dass ich nur so kurz bleiben konnte.