Sonntag, 25. Dezember 2011

Weihnachten in altem Jerusalemer Gemäuer

Auch wenn ich dieses Jahr Weihnachten weit von meiner Familie war, so war es ein wunderschönes und entspanntes Weihnachten, und ich war nicht allein: ich habe mit etwa 25 (Gästen aus dem Johanniter-Hospiz, Volontären, Freunden) teilweise völlig fremden aber lieben Menschen gefeiert.
Im Johanniterhospiz hatten die Mitarbeiter eine weihnachtliche Stimmung geschaffen: festlich gedeckte Tafeln, eine Holzkrippe, und sogar ein Weihnachtsbaum mit Geschenken darunter. Zum Empfang gab es Glühwein. Wow, hier erst merke ich, wie wichtig der doch für die weihnachtlicher Stimmung ist. Anschliessend sind wir alle zusammen durch die Altstadt in die St.-Anna-Kirche, in der Nähe vom Löwentor, gelaufen. Es war interessant einzelne Prozessionen von Pilgern zu beobachten. Die St.-Anna-Kirche ist eine wunderschöne romanische Kirche (ich stellte mit einer anderen jungen Frau fest: die Kreuzritter haben nicht nur Mist gebaut). Bisher hatte ich sie nicht sehr beachtet, da sie in auf dem gleichen Gelände steht, wie der See Bethesda, ein Pilgerort, den ich normalerweise meide. Aber am Nachmittag war die Kirche nur für uns geöffnet. Ein Privileg. Wir nahmen im Altarraum platz, sangen Lieder zusammen, lasen die Weihnachtsgeschichte, und zündeten anschliessend Kerzen für Menschen an, die uns am Herzen liegen, an die wir besonders denken, weil es ihnen z.B. gerade schlecht geht, sie jemaden wichtigen verloren haben. Es war sehr andächtig.
Das Abendessen war ein 3-gängiger Gaumenschmaus: Baguette-Scheiben mit verschiedenen Cremes bestrichen, Reis mit Gemüseauflauf und Hänchenfilet, Obsalat mit Sahne. Und natürlich Wein dazu. Ich unterhielt mich angeregt mit einer resoluten etwa 65-jährigen Israelin. Es war köstlich. Sie versuchte es immer wieder mit Deutsch, ich mit Hebräisch, aber unsere Hauptsprache blieb Englisch. Zwischendruch kamen die Weihnachtmänner aus der Nachbarschaft, und versprühten Kunstschnee auf unseren Tischen. Es ist schon witzig, mitten in Jerusalem Weihnachtsmänner zu sehen.
Im Anschluss wurden wir alle in zwei Gruppen geteilt, zum "Montagsmaler" spielen. Begriffe wie Blinddarm, Vogelgrippe, Bilderbuchwetter mussten von einem gezeichnet werden und den anderen Gruppenmitgliedern erraten werden. Es war ein Spaß.
Gegen halb zehn machten wir uns mit Karten in der Hand zur Erlöser-Kirche gleich um die Ecke auf. Karten? Wieso? Weil so viele zu dem Gottesdienst möchten? Touristen? Nein, Israelis, die sehen möchten, wie wir Christen Weihnachten feiern. Und wieder bin ich ein wenig schlauer.
Es goss in strömen. Kaum zu glauben. Als wir in der Kirche ankamen waren wir ein wenig nass. Und dann warteten wir noch ein Weilchen. Die Lichter wurde fast alle ausgeschaltet. Dann wurden die Kerzen, die in der Kirche verteilt waren, angezündet. Wunderschön. Der Probst hielt die Predigt. Zum Schluss lud er uns noch ein, an der Wanderung nach Belehem teilzunehmen, die etwa 2-3 Stunden dauert. Angesichts des Wetters und der späten Stunde konnte ich dafür nicht begeistert werden. Vielleicht ein ander Mal.
Ich fiel nach Mitternacht müde und dankbar in mein Bett, im Ölbergzimmer.
Am nächsten Morgen erwartete mich ein wunderbares Frühstücksbuffet, und die Gesellschaft von anderen Gästen.

Sonntag, 18. Dezember 2011

vierter Advent im heiligen Land

Die Woche habe ich ein Päckchen von meiner Mutter bekommen, mit Adventsdekoration. Es hat mich tief berührt. Fast hätte ich geweint. Mir wurde bewusst, bald ist Weihnachten. Und ich weit weg von meiner Familie. 
Heute habe ich endlich die Dekoration aufgehängt. Es macht doch einen Unterschied. Erst hier wird es mir bewusst, wo gar nichts an Advent und Weihnachten erinnert. Ein starker Kontrast zu dem Konsumprogram daheim. So langsam vermisse ich den Weihnachtsmarkt, den Glühwein, Lebkuchen, Schnee (ja, ein wenig), Weihnachtsmusik, den Duft von Tannenzweigen, Zimt und Orangen.
Zu Weihnachten wollte ich gerne an die Westmauer, in Ruhe alleine Weihnachten verbringen (inzwischen bin ich vom Christustreff in Jerusalem eingeladen worden :-) ). Es ist der Ort, wo einst der Tempel stand: der "Wohnort" Gottes mitten unter den Menschen. Zu Weihnachten kam Er als Mensch zu uns. Der große Gott wurde ganz klein. Welch ein unglaubliches Wunder und Geheimnis. Um uns aus allem Elend zu holen, zu erretten. Wer Ihn annimmt, der bleibt nicht von Leid verschont, aber hat eine lebendige Hoffnung, die trägt und hält, auch wenn alles andere fällt, wenn die Erde auseinander zu brechen droht. 
Heute habe ich mich wieder intensiv mit den Ereignissen in Ägypten befasst, in Vorbereitung zu unserem Briefing im Seminar morgen. Es ist höchst traurig. Ägypten droht im Bürgerkrieg unter zu gehen. Und das ist nur eines der unzähligen Beispiele, die mir wieder vor Augen führen, wie glücklich ich mich schätzen kann, einen Deutschen Pass zu haben. Gott sei Dank.

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Arabische "Gerechte unter den Völkern"

Gerade komme ich von einer Filmvorführung, die mir die Augen für ein ganz neues Thema geöffnet hat: Araber, die Juden vor der Verfolgung und Ermordung im 2. Weltkrieg bewahrt haben. Robert Satloff hat sie ausfindig gemacht.

Watch Among the Righteous on PBS. See more from AMONG THE RIGHTEOUS.

Nach dem Film haben einige von uns beschlossen, beim nächsten Besuch in Yad Vashem uns dafür einzusetzen, dass die Namen der Arabischen "Gerechten unter den Völkern" (wie Khaled Abdul Wahab) ihren verdienten Platz bekommen.

Spielzeug/ Corpus delicti: ferngesteuertes Flugzeug

Neulich im Sandkasten:

Samstag, 10. Dezember 2011

Ägypten nach der ersten Wahlrunde

Nach den Ausschreitungen im Frühjahr in Ägypten (Zeitleiste) wurde Hosni Mubarak Mitte Februar als Präsident abgesetzt. Das Militär kam an die Macht, versprach, das Land in die Demokratie zu führen. Immer wieder kam es zu weiteren Ausschreitungen, mit vielen Toten und unzähligen Verletzten. Nun finden in Ägypten Wahlen statt, unter fragwürdigen Umständen und mit folgenreichen Ergebnissen. So, wie es zur Zeit aussieht, scheinen die Islamisten und die Salafisten (strengst gläubige Moslems, stehen den Wahabiten in Saudi Arabien nahe) die Mehrheit im Parlament zu stellen. Ein anderes Szenario wäre, dass das Militär die Wahlen nicht anerkennt, und weiterhin das Volk brutal regiert. Mit wem und wie muss der Westen in Zukunft Politik machen?

Angesichts der grausamen Ausschreitungen stellt sich mir die Frage, ob es richtig war, dass die westlichen Regierungen im Frühjahr den Rücktritt von Hosni Mubarak forderten. Wäre es nicht angemessener gewesen, Hosni Mubarak dazu zu drängen (bzw. hinter den Kulissen zu "erpressen"), dass er sein Amt im September (für den die Wahlen eigentlich geplant waren) ablegt? Wir werden es nie wissen.

In unseren westlichen Medien oft vergessen werden die Übergriffe auf die Kopten. Sie bilden eine Minderheit in Ägypten und sind seit Jahren Opfer von Gewalttaten, auch tödlichen. Diese werden unter anderem von Salafisten ausgeübt. Seit Anfang diesen Jahres haben 100.000 Kopten Ägypten verlassen, aufgrund von Anfeindungen und Zukunftsängsten. Für sie ist der "Arabische Frühling" keine Befreiung. Wie werden die Wahlergebnisse ihr Leben verändern?

In einer unserer Kurse repräsentieren jeweils drei Studenten ein oder zwei Länder. Diese "Länder" müssen dann im Unterricht 5 Minuten sich zu den neuesten Ereignissen äussern und eine Prognose abgeben. Der Dozent löchert uns mit Fragen, wie: Wer ist Al Ganzoury? Wer war der Gründer der Muslimbrüder? Welche Interessen haben der Iran und die Türkei in Syrien? Wie steht die Hizbollah zur syrischen Regierung?, und das sind noch die einfachen Fragen.
Als Ägypten-Team habe ich mit meinen 2 Kommilitonen vor einer Woche die Parlamentswahlen in Ägypten beleuchtet.

Das Ägyptische Parlament ist in ein Oberhaus (den Shura Rat)
  • 270 Sitze
  • 2/3 vom Volk gewählt
  • 1/3 vom Staatspresidenten ernannt
und in ein Unterhaus (der Volkskammer)
  • 498 Abgeordnete werden direkt gewählt
    • 2/3 über die Zweitstimme
    • 1/3 über die Direktstimme
  • 10 werden vom Presidenten ernannt
  • Hälfte der Abgeordneten müssen Arbeiter oder Bauern sein

Freiheits- und Gerechtigkeitspartei (Freedom and Justice Party) (FJP) - 36.6%
  • am 30.04.2011 gegründet
  • islamistische Partei
  • Partei der Muslimbrüder
  • Teil der "Demokratischen Allianz"
  • das Islamische Gesetz (also die Sharia) soll Grundlage für die Verfassung sein und die Rechtsgebung
  • sehr gut organisiert, da die einzige Opposition zu Regierungszeiten Hosni Mubaraks
Al Nour Partei - 24.4%
  • am 25.01.2011 gegründet
  • salafistische (strikte Befolgung des Koran und der Sharia) Partei
  • Islam ist die Religion des Staates und das Islamische Gesetz ist die Hauptquelle für Gesetzgebung, politische, soziale und wirtschaftliche Angelegenheiten
  • unterstützen Religionsfreiheit für Kopten (Ägyptische Christen) 
  • fordern, dass Frauen sich auf die Familie konzentrieren, sie können Lehrerinnen sein, Krankenschwestern, aber nicht in Führungspositionen über Männern stehen
  • mögliche Folgen
    • für Kopten: es ist fraglich, ob die Partei sich an ihr Versprechen halten würden, denn in den letzten Jahren kam es immer wieder zu Übergriffen auf Kopten durch Salafisten
    • für Israel: es könnte zu einem Referendum kommen, um den Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel von Camp David 1979 zu überarbeiten oder zu überdenken

Ägyptischer Block - 13.4%
  • am 16.08.2011 gegründet
  • Ziel: moderner ziviler Staat, Trennung von Politik und Religion, gegen die Bildung eines theokratischen Staates
  • besteht aus 3 Parteien (sozialistisch bis kapitalistisch)
  • schlecht organisiert, schwer gegen FJP zu konkurrieren
  • kein gemeinsames wirtschaftliches Ziel
  • lehnen es ab, dass das neu gewählte Parlament eine Versammlung wählt, die eine neue Verfassung schreibt
  • Unterstützer: Sekularisten und Kopten
Al Wafd Partei - 7.1%
  • 1983 (neu)gegründet
  • war Teil der "Demokratischen Allianz", hat nun ihre eigene Allianz mit anderen Parteien gebildet
  • Parteiprogram:
    • Zivilstaat mit garantierter Religionsfreiheit
    • freie Marktwirtschaft
    • unterstützen einen nicht-sekularen Staat
    • Sharia soll Hauptquelle der Gesetzgebung sein
    • für die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau
Wahlfälschung/ Wahlbetrug/ Wahlungleichheit
  • Analphabeten müssen mit Fingerabdruck wählen, verstehen nicht, was auf den Wahlzetteln steht, daher gibt es für jeden Abgeordenten ein Bild, bei den Frauen oft nur ein Bild einer Blume, die Parteien haben Symbole
  • Untertützer der FJP "helfen" Wählern, sich auf den großen Wahlzetteln zurecht zufinden, drucken Informationsmaterial aus, mit dem Emblem der FJP
  • Polizei und Militär Offiziere dürfen nicht wählen
  • Parteiprogramme müssen auf der Sharia basiert sein (was ist mit den Sekularen und den Kopten?)
  • ein Drittel der Ägypter beeinflussen die anderen 2/3 der Wähler
nächste Wahletappen
  • 28.11.-10.01.2012: Wahlen für das Unterhaus Parlamentswahlen
    • 28./29.11.2011 wurde in Kairo, Luxor und Alexandria und sechs weiteren Gouvernements gewählt (weiss)
    • 14./15.12.2011 (hellgrau)
    • 02./03.01.2012 (grau)
  • 29.01.2012-11.03.2012: Wahlen zum Shura Rat
  • Juni 2912: Presidentschaftswahlen
Die Wahlergebisse in den hellgrauen und grauen Gebieten werden wahrscheinlich konservativer (v.a. FJP und die Al Nour Partei) ausfallen, da die Städte Kairo und Luxor als liberaler gelten. Wir werden sehen.

Dienstag, 6. Dezember 2011

Katar greift nach den Sternen

Welche Rolle spielt der katarische Nachrichtensender Al-Jazeera in dem "Arabischen Frühling"? Wofür steht der Sender? Wer profitiert von der Berichterstattung? Wer ist der Geldgeber? Diese und mehr Fragen beantwortet Dr. Uriya Shavit, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Moshe Dayan Centers in Tel Aviv, spezialisiert auf Demokratisierung im Mittleren Osten und muslimische Minderheiten im Westen.

eine (un)gewöhliche Geschichte

über einen irakischen Jungen, der über Syrien in die USA kam, mit seiner Familie. 
Der Film im ZDF ist hier zu sehen.

Freitag, 2. Dezember 2011

himmlische Musik ...

... mit einem fantastischen Pianisten und einem wunderbaren Orchester