
Auch wenn ich dieses Jahr
Weihnachten weit von meiner Familie war, so war es ein wunderschönes und
entspanntes Weihnachten, und ich war nicht allein: ich habe mit etwa 25
(Gästen aus dem Johanniter-Hospiz, Volontären, Freunden) teilweise
völlig fremden aber lieben Menschen gefeiert.
Im
Johanniterhospiz hatten die Mitarbeiter eine weihnachtliche Stimmung
geschaffen: festlich gedeckte Tafeln, eine Holzkrippe, und sogar ein
Weihnachtsbaum mit Geschenken darunter. Zum Empfang gab es Glühwein.
Wow, hier erst merke ich, wie wichtig der doch für die weihnachtlicher
Stimmung ist. Anschliessend sind wir alle zusammen durch die Altstadt in
die St.-Anna-Kirche,
in der Nähe vom Löwentor, gelaufen. Es war interessant einzelne
Prozessionen von Pilgern zu beobachten. Die St.-Anna-Kirche ist eine
wunderschöne romanische Kirche (ich stellte mit einer anderen jungen
Frau fest: die Kreuzritter haben nicht nur Mist gebaut). Bisher hatte
ich sie nicht sehr beachtet, da sie in auf dem gleichen Gelände steht,
wie der See Bethesda, ein Pilgerort, den ich normalerweise meide. Aber
am Nachmittag war die Kirche nur für uns geöffnet. Ein Privileg. Wir
nahmen im Altarraum platz, sangen Lieder zusammen, lasen die
Weihnachtsgeschichte, und zündeten anschliessend Kerzen für Menschen an,
die uns am Herzen liegen, an die wir besonders denken, weil es ihnen
z.B. gerade schlecht geht, sie jemaden wichtigen verloren haben. Es war
sehr andächtig.
Das
Abendessen war ein 3-gängiger Gaumenschmaus: Baguette-Scheiben mit
verschiedenen Cremes bestrichen, Reis mit Gemüseauflauf und
Hänchenfilet, Obsalat mit Sahne. Und natürlich Wein dazu. Ich unterhielt
mich angeregt mit einer resoluten etwa 65-jährigen Israelin. Es war
köstlich. Sie versuchte es immer wieder mit Deutsch, ich mit Hebräisch,
aber unsere Hauptsprache blieb Englisch. Zwischendruch kamen die
Weihnachtmänner aus der Nachbarschaft, und versprühten Kunstschnee auf
unseren Tischen. Es ist schon witzig, mitten in Jerusalem
Weihnachtsmänner zu sehen.
Im
Anschluss wurden wir alle in zwei Gruppen geteilt, zum "Montagsmaler"
spielen. Begriffe wie Blinddarm, Vogelgrippe, Bilderbuchwetter mussten
von einem gezeichnet werden und den anderen Gruppenmitgliedern erraten
werden. Es war ein Spaß.

Gegen halb zehn machten wir uns mit Karten in der Hand zur Erlöser-Kirche
gleich um die Ecke auf. Karten? Wieso? Weil so viele zu dem
Gottesdienst möchten? Touristen? Nein, Israelis, die sehen möchten, wie
wir Christen Weihnachten feiern. Und wieder bin ich ein wenig schlauer.
Es
goss in strömen. Kaum zu glauben. Als wir in der Kirche ankamen waren
wir ein wenig nass. Und dann warteten wir noch ein Weilchen. Die Lichter
wurde fast alle ausgeschaltet. Dann wurden die Kerzen, die in der
Kirche verteilt waren, angezündet. Wunderschön. Der Probst hielt die
Predigt. Zum Schluss lud er uns noch ein, an der Wanderung nach Belehem
teilzunehmen, die etwa 2-3 Stunden dauert. Angesichts des Wetters und
der späten Stunde konnte ich dafür nicht begeistert werden. Vielleicht
ein ander Mal.
Ich fiel nach Mitternacht müde und dankbar in mein Bett, im Ölbergzimmer.
Am nächsten Morgen erwartete mich ein wunderbares Frühstücksbuffet, und die Gesellschaft von anderen Gästen.


